Leserbrief

Wenn Integration zur Farce wird

Abdullah Hossaini kam 2015 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Österreich. Inzwischen spricht er gut Deutsch, hat einen Lehrplatz in einem Zillertaler Hotel gefunden und auch eine Übernahmezusage nach Ausbildungsende bekommen. Er hat also Qualifikationen erworben, die in Österreich, insbesondere im Tourismus, dringend, geradezu "händeringend" gesucht werden. Und er kann sich finanziell selbst erhalten.

Nun droht ihm die Abschiebung nach Afghanistan, einem "failed state", in dem Terror und Gewalt an der Tagesordnung stehen. Die Begründung, dass Hossaini mit seiner "neu gewonnenen Lebens- sowie Arbeitserfahrung auch in Afghanistan zumutbar leben könne" ist an Zynismus kaum noch zu überbieten. Bedeutet sie doch nichts anderes, als dass die Mühen, die er auf sich genommen hat, um sich bestmöglich zu integrieren, ihm jetzt auf den Kopf fallen. Zu gut integriert, um bleiben zu können.

Hossaini ist kein Einzelfall. Immer wieder werden derartige Abschiebungen zwar gesetzeskonform (warum ändert man da nichts?), aber ohne Herz und Hirn veranlasst. Leider ist da von türkiser Regierungsseite, insbesondere vom Kanzler und "seiner" Integrationsministerin, nichts zu erwarten, die aus machtpolitischem Kalkül bei Migration und Asyl demonstrative Härte signalisieren. Was spielen da schon Einzelschicksale, so dramatisch sie auch sein mögen, für eine Rolle?


Erhard Sandner, 5081 Anif

Aufgerufen am 18.10.2021 um 08:26 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/wenn-integration-zur-farce-wird-100977151

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