Leserbrief

Wer fürchtet sich vorm bösen Wolf?

Schon in Märchenbüchern des 17. Jahrhunderts wurde Isegrim als böse und hinterlistige Bestie inszeniert. Als Kinder wuchsen wir bereits mit der Angst vorm Wolf als Untier auf und sie hat sich in unserem Unterbewusstsein imaginär manifestiert.

Wölfe wurden immer schon als gefährliche Bestien dargestellt und somit im vergangenen Jahrhundert in vielen Ländern komplett ausgerottet. Das war die einfachste Lösung, sich eines Problems zu entledigen.

Gott sei Dank hat sich die Population wieder erholt und wir können diese intelligenten Tiere - die in Familienclans leben - endlich wieder bei uns begrüßen. Denn wer sich mit dem Thema Wolf intensiver beschäftigt, wird zur Erkenntnis kommen, dass er gar nicht so böse, sondern eher ein scheues Wildtier ist. Die wertvollen Tiere sind intelligent und besitzen eine strenge Familienordnung. Da können wir Menschen uns auf jeden Fall etwas abschauen.

Wenn man auf einen Wolf trifft - was eher unwahrscheinlich ist -, sollte man nicht auf ihn zugehen, sondern sich langsam entfernen. Durch falsches Verhalten ist schon manches Unglück passiert. Das wird dann falsch interpretiert und schuld ist immer der, der sich nicht wehren kann. Seien wir ehrlich: Wann wurde ein Mensch von einem Wolf angegriffen? Noch nie! Trotzdem haben wir Angst vor ihm. Man sollte einmal allein oder mit der Familie einen Ausflug nach Ernstbrunn machen und sich die Wölfe in natura ansehen und sich über ihr Wesen informieren. Da erfährt man, was das für wunderbare und schützenswerte Tiere sind. Das würde mit Sicherheit einen Großteil der Angst nehmen.

Statt die Tiere abzuschießen, sollten wir uns mit ihnen arrangieren, wie es in Polen und Russland geschieht. Dort hat man einen Spezialisten wie Shaun Ellis zurate gezogen und das Problem der Bauern mit diesen Wildtieren wurde human gelöst. In Norddeutschland werden große Hütehunde mit dem Vieh auf die Weide geschickt. Die Anzahl der Risse ist drastisch zurückgegangen. In Polen hat man mit Erfolg eine Wolfgeheul-Simulation eingesetzt, die ein fremdes Rudel imitiert. Das beweist, dass es auch anders geht.

Ich bin der Meinung, dass die Bauern nur dann eine Erstattung für gerissene Tier erhalten sollten, wenn sie für den Schutz ihrer Tiere Maßnahmen ergreifen, und nicht nur durch eine Bestätigung des Risses durch einen Wolf. Um einer abermaligen Ausrottung der Wölfe entgegenzuwirken, ist ein strenger Schutz erforderlich, damit sich diese Tiere in einer angemessenen Population in unserer Heimat wieder ansiedeln und vermehren können.

Der Mensch sollte seiner Pflicht zur Erhaltung der Natur nachkommen, das ökologische System wiederherstellen und nicht aus Profitgier der Umwelt schaden. Wölfe und Bären gehören zum ökologischen System. Ich denke, die Behörden sind bestrebt - sicher auch im Interesse der Wölfe -, eine humanere Lösung als den Abschuss zu finden. Ich bin absolut gegen einen Abschuss der Wölfe und Bären, solange es keine Überpopulation gibt! Leben und leben lassen. Es geht nur miteinander!


5020 Salzburg

Margit Hofbauer,

Aufgerufen am 20.10.2020 um 08:10 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/wer-fuerchtet-sich-vorm-boesen-wolf-89044180

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