Leserbrief

Wie oft noch ...?

Ich war zuversichtlich, dass mit der zunehmenden globalen Vernetzung und der damit verbundenen Möglichkeiten der umfassenden Information und des gegenseitigen Kennenlernens die Gefahren nationalistischer, rassistischer und radikaler Tendenzen geringer würden. Leider ist im Gegenteil zu beobachten, dass sich einfache Lügenmärchen, nach Belieben manipulierte "Wahrheiten" und nationale Kurzsichtigkeit in den Köpfen schneller verbreiten als die mühsame Auseinandersetzung mit der oftmals komplizierten Realität. Selbst einige der ältesten Demokratien der Welt versinken derzeit in einem sich ständig ausbreitenden Sumpf aus Lügen, Ignoranz, Egoismus und Nationalismus. Großbritannien erlebt seit bald drei Jahren, wie mühsam und nervenaufreibend das Finden eines vernünftigen Kompromisses in einer vielschichtigen Gesellschaft ist. Dieser tägliche und mühsame Prozess zur Erlangung einer mehrheitsgetragenen Entscheidung entspricht aber dem grundlegenden Wesen einer Demokratie und einer Vereinigung, wie sie die Europäische Union darstellt. Trotz aller berechtigter Kritik an der EU sollte allen Menschen deutlich vor Augen geführt werden, dass aus den Trümmern des verheerendsten Krieges der Menschheitsgeschichte in diesem einzigartigen und bunten Europa mit vereinten und zuversichtlichen Kräften Wohlstand und Frieden aufgebaut wurden.
Wir riskieren mehr als wir glauben, und ich frage mich angesichts der traurigen Geschichte des letzten Jahrhunderts, wie oft wir Demagogen und Scharlatanen noch auf den Leim gehen werden?

Martin Puschl, 4812 Pinsdorf

Aufgerufen am 20.08.2019 um 03:04 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/wie-oft-noch-64293448

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