Leserbrief

Wir dürfen nicht die ganze Verantwortung an die Schule abgeben

Sehr geehrter Herr Purger!

Sie sprechen mir mit Ihrem Artikel wieder einmal aus der Seele! ("Damit Unbildung nicht vererbt wird: Wählen wir die 'Eltern des Jahres'", SN vom 11. 3. 19).
Ich bin selbst Mutter von drei mittlerweile erwachsenen Kindern (24, 22, 20), lese selber sehr gerne und habe meinen Kindern von klein auf sehr viel vorgelesen. Im Kleinkindalter haben wir Unmengen an Bilderbüchern angeschaut und dabei viel gesprochen. Natürlich war damals die Zeit eine andere, ein Handy hatte damals kaum noch jemand, und fernsehen durften meine Kinder erst ab dem Alter von ca. drei Jahren - und auch das nur in minimalem Umfang, nur ausgewählte Kindersendungen und immer in Begleitung von mir oder meinem Mann.
Wir haben es dadurch geschafft, unseren Kindern den Spaß am Lesen zu vermitteln und die Neugier auf Bücher zu wecken.
Ich war in der glücklichen Lage, sieben Jahre durchgehend bei unseren Kindern daheim bleiben zu können - natürlich hatte ich dadurch viel mehr Zeit, mich mit ihnen zu beschäftigen, als wenn ich sehr bald wieder in meinen Beruf zurückgekehrt wäre. Wir haben auch viel gebastelt, Spiele gespielt oder sind einfach draußen in der Natur gewesen. Natürlich haben Sie Recht, wenn Sie schreiben: "Auch für die Eltern bedeutet die Bildung ihrer Kinder einen beträchtlichen Aufwand - und zwar weniger an Geld als vielmehr an Zeit." Es ist in der Tat oft anstrengend - aber auch unendlich beglückend, wenn man seine Kinder heranwachsen sieht. Ich hätte diese, meiner Meinung nach so wichtigen, ersten Jahre mit meinen Kindern nicht missen wollen!
Mir ist durchaus bewusst, dass nicht alle Familien dieses Privileg haben, dass ein Einkommen ausreicht; auch wir mussten sparsam mit dem Verdienst meines Mannes umgehen. Ich bin auch weit davon entfernt, alle Mütter wieder zu einem "Heimchen am Herd" zurückbringen zu wollen.
Aber wenn wir unsere Kinder zu glücklichen, gebildeten und verantwortungsbewussten jungen Menschen erziehen wollen, dürfen wir nicht die ganze Verantwortung an die Schule und die Lehrer abgeben! Bildung beginnt in der frühesten Kindheit, da stimme ich Ihnen voll und ganz zu! Und es muss uns als Eltern die Zeit, die wir von klein auf mit unseren Kindern verbringen, wichtig und wertvoll sein, denn die Versäumnisse aus der frühen Kindheit wirken oft ein ganzes Leben nach...


Claudia Winkler, 3970 Weitra

Aufgerufen am 16.10.2019 um 11:32 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/wir-duerfen-nicht-die-ganze-verantwortung-an-die-schule-abgeben-67200871

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