Leserbrief

Wir dürfen niemals vergessen!

Ich kann Andreas Koller nur voll und ganz zustimmen: "Die Bekämpfung des Antisemitismus ist eine Aufgabe der Schule, der Politik, der Medien, der ganzen Gesellschaft" (SN, 28.1.2022).
Als ehemalige Lehrerin an einer Höheren Schule habe ich mich stets bemüht, diese Aufgabe wahrzunehmen und den Schülerinnen und Schülern bewusst zu machen, wo Faschismus beginnt und wohin er führt.
Ein guter Geschichtsunterricht muss den jungen Menschen das "Unbegreifliche" begreiflich machen.
Dazu zählen die faktenbasierte Analyse des Phänomens Nationalsozialismus/Faschismus sowie eine Ent-Mystifizierung "des Bösen", denn Täter und Mitläufer kamen aus der Mitte der Gesellschaft - "normale" Menschen - Familienväter, Lehrer, Beamte und mitunter der eigene Großvater.
Meine ehemaligen Schülerinnen und Schüler waren unisono äußerst interessiert und engagiert, die Zeit des NS aufzuarbeiten, um künftig Ähnliches rechtzeitig zu verhindern.
Ein Besuch im KZ-Mauthausen war selbstverständlich Pflichtprogramm!
Dazu war es notwendig, die Schüler gut und fundiert darauf vorzubereiten und ihnen im Anschluss daran die Möglichkeit zu geben, das Unfassbare zu verarbeiten.
Zu diesem Zweck wurden auch Zeitzeugen an die Schule eingeladen, die besser als jeder Unterricht von ihren leidvollen Erfahrungen berichteten und mit den Schülerinnen und Schülern in einen Dialog traten.
Wie gesagt: Ein guter Geschichtsunterricht (im Idealfall auch fächerübergreifend) nimmt sich dafür Zeit, auch wenn laut Lehrplan damals nur zwei Wochenstunden vorgesehen waren.
Und generell sollte gelten: Jede/r Österreicher/in müsste 1x im Leben im KZ-Mauthausen gewesen sein.
Das sind wir den Millionen Opfern schuldig.

Mag. Regina Scheiblmaier, 5231 Schalchen

Aufgerufen am 22.05.2022 um 04:48 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/wir-duerfen-niemals-vergessen-116204557

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