Leserbrief

Wir Game-Changer

Es ist ein gutes Zeichen, wenn selbst als "wirtschaftsnahe" geltende Medien, wie die SN in ihrer Ausgabe vom 21. 8., die Themen "Arbeitszeitverkürzung" und "Grundeinkommen" angehen. Themen wie "Krätze". Bislang! Es ist hoch an der Zeit, europaweit darüber zu diskutieren, wie die Arbeitswelt neu, zukunftsweisend und human bzw. solidarisch zu gestaltet ist. Die Einführung der 40-Stunden-Woche in Österreich erfolgte 1975! Wer rechnet schnell aus, wie sich seither die Produktivität verändert hat? Und wie die Vermögensverteilung? Wem käme dabei nicht das Wort "Schieflage" in den Sinn? Es heißt, Covid-19 sei ein "Game-Changer". Falsch! Die Pandemie zeigt bloß schonungslos auf, wo überall unser System krankt, insbesondere im Verhältnis zur Ökologie oder zum arbeitenden Menschen. Beide zusammen — nicht das tote Kapital! — sind die entscheidenden Faktoren des materiellen Fortschritts. Der alte, rein profitgetriebene und zukunftsvergessene Umgang damit ist obsolet, er weiß es nur noch nicht. Die neue "Große Transformation" (© Karl Polanyi) ist im Gange. Die Game-Changer müssen wir sein!

Dr. Friedrich Michael Steger, 5161 Elixhausen

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