Leserbrief

Wir Pfleger sind auch nur Menschen

Mein Berufsstand musste schon immer mit hoher physischer und psychischer Belastung umgehen, doch die Covid-19-Erkrankungen legen noch eine ganze Schippe drauf!

Es gibt keinen in meinem beruflichen Umfeld, der seine eigenen Bedürfnisse und sein Privatleben nicht schon einmal aufgrund der Arbeit zurückgestellt hätte.

Seit 2020 schlittern wir von der einen zur anderen Covidwelle, ohne Plan und ohne Ziel. Während in der Politik und von Entscheidungsträgern ein Bild der Ratlosigkeit vermittelt wird, arbeiten wir mit Menschen, welche um ihr Leben kämpfen. Man selbst fühlt sich mittlerweile hilflos und gefangen in einem System, welches sich unweigerlich auf den großen Crash vorbereitet.

Der eigene Wert wird nur noch auf eine Zahl beschränkt, welche täglich an das Land geschickt wird, und die Pflegepersonen werden als Ressourcen bezeichnet. Von Qualität bei der Arbeit spricht in meinem Umfeld schon lange niemand mehr, Leidtragende sind Patienten und Personal.

Seit Beginn der Pandemie habe ich über zehn Monate mit Covidpatienten gearbeitet. In dieser Zeit habe ich Menschen in Leichensäcke verschlossen, musste acht Stunden am Tag in voller Schutzmontur arbeiten und zusehen, wie Menschen in Panik nach Luft schnappen.

Von Klatschen auf Balkonen, von bundesweiten Boni, die nicht ausbezahlt werden, von Zuschlägen, die man nicht bekommt, von Versprechen aus der Politik und Zahlen auf Papieren haben wir schon genug!
Was wir wirklich brauchen, ist Hilfe in Form von Taten, denn Worte haben wir schon viele gehört!

Dominik Bohnaker, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 05.12.2021 um 09:55 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/wir-pfleger-sind-auch-nur-menschen-113007160

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