Leserbrief

Wir schauen auf unsere Pferde

Stellungnahme zu den Leserbriefen in den SN vom 2. und 16. Juni 2020 betreffend die Fiaker in der Stadt Salzburg:

Wir haben in unserem Betrieb zwei Kutschen in der Stadt. Insgesamt haben wir für diese zwei Kutschen 15 Pferde zur Verfügung. Das heißt, die Pferde müssen einen Tag in der Stadt arbeiten und haben danach zwei Tage frei! An diesen zwei freien Tagen sind sie auf der Koppel/Wiese und haben genügend Auslauf zur Verfügung.

Die Pferde, die in der Stadt sind, werden immer mit Wasser versorgt, entweder nach jeder zweiten Runde oder nach maximal einer Stunde. Sie stehen im Schatten des Doms auf dem Residenzplatz.

Bei diesen Temperaturen wird fast die ganze Runde im Schritt gefahren und der größte Teil der Rundfahrt (abhängig von der Tageszeit) ist auch im Schatten. Kurz zu unseren Pferden: Wir haben bei uns nur Haflinger im Einsatz. Diese kaufen wir bei Züchtern in Österreich. Unsere Pferde suchen wir gut aus. Das heißt, wir schauen, wo kommen sie her - Stammbaum usw.

Wir haben auch ein paar Prämienstuten im Einsatz, mit denen wir auch jederzeit züchten könnten. Also, wir kaufen keine Pferde vom Schlachter um 500 Euro und fahren mit denen, bis sie nicht mehr gehen können. Im Schnitt kostet ein Pferd bei uns ca. 3000 bis 5000 Euro.

Unsere Tiere werden im Jahr drei bis vier Mal durch das Veterinäramt der Stadt Salzburg unangemeldet kontrolliert. Durch unseren Tierarzt werden die Pferde zwei Mal im Jahr geimpft, entwurmt und untersucht. Diesen Bericht müssen wir an den Magistrat weiterleiten.

Nach der Saison oder zwischendurch lassen wir alle Pferde durch einen Pferde-Chiropraktiker anschauen, ob es Probleme gibt. Die Pferde werden bei uns alle sechs bis maximal acht Wochen durch einen Hufschmied neu beschlagen. Sollte ein Pferd wirklich mit dem Huf Probleme haben, geben wir zwischen Huf/Hufsohle und Eisen eine Gummiplatte mit Silikon (Wolke 7), damit alles noch besser gefedert wird!

Unser ältestes Pferd, das wir altersbedingt weggeben mussten, ist 35 Jahre alt geworden. Die Stute haben wir selbst aufgezogen und sie war immer bei uns im Betrieb. Im Alter von 25 bis 28 Jahren ist sie gar nicht mehr in der Stadt gewesen und durfte nur mehr ihre Pension bei uns genießen!

Jetzt frage ich mich, warum soll es unseren Pferden schlecht gehen?

Das Auto, welches ich fahre, die Wohnung, die ich habe, sowie das Gewand, welches ich trage usw. - hierfür bringen mir meine Pferde das Geld nach Hause! Umso besser ich auf sie schaue, umso besser geht es ihnen und umso länger bleiben sie gesund. Sie haben wirklich kein schlechtes Leben bei uns!

Und zum Schluss: Ich habe nichts gegen Tierschützer, sondern ich finde gut, wenn sich Leute Gedanken machen! Nur, bevor man sich über etwas aufregt und ein Urteil darüber fällt, sollte man sich vorher informieren, ob es wirklich auch so ist!

Es gibt sicherlich auch schwarze Schafe, wie in jeder Branche, aber bevor man über einen Betrieb urteilt, sollte man sich über diesen auch erkundigen.

Franz Winter, Fiakerunternehmen, Salzburg

Aufgerufen am 25.11.2020 um 06:36 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/wir-schauen-auf-unsere-pferde-89002216

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