Leserbrief

Wird die SPÖ zur Bewegung?

Zu einer politischen Bewegung, wo die Basis, die Mitglieder entscheiden? Ist das die Absicht von Rendi-Wagner? Die alteingesessene Funktionärsschicht zu umgehen und direkt die Basis zu befragen?
Das würde etwas ganz Neues in der Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie bedeuten. Bei der SPÖ, wo doch bisher immer die ideologiestarken alten Funktionäre (oft gleichzusetzen mit dem quasi erblichen "Partei-Adel") bestimmt haben. Sehr oft auch abgehoben von der Basis, von den Wünschen und Bedürfnissen des "kleinen Mannes". Denn da haben ja oft die saturierten Altfunktionäre festgelegt, was die Bedürfnisse des "kleinen Mannes" sind und zu sein haben. Und das war in erster Linie ideologiebestimmt und nicht realitätsnah, aber dafür strukturkonservativ. Kein Wunder, dass die Sozialdemokratie bei der breiten Masse an Attraktion verloren hat, weil nämlich nicht berücksichtigt wurde, dass heute die ehemaligen "kleinen Leute" zum Mittelstand aufgestiegen sind und sich in der heutigen Welt ihre Interessenlage verändert hat.
Also: die Befragung der Basis wird da sicher neue Erkenntnisse bringen, wenn man richtig zu lesen weiß, was da herauskommt.
Aber: Wird das, was da herauskommt, dann auch in der praktischen Politik der SPÖ seine Auswirkung haben.
Und noch eins: Werden auch die richtigen Fragen gestellt? Eines ist jedenfalls sicher: Rendi-Wagner wird einen großen Prozentanteil an Zustimmung erhalten.
Daher: Die Vertreter des alten Systems gehen da nur sehr widerwillig mit. Das hat die Abstimmung im Parteivorsitz gezeigt: nur 12:10 (NB: Wer hat da wieder geleakt?). Sie fürchten um ihre Machtpositionen.
Die Aktion von Rendi-Wagner bringt jetzt bei der SPÖ jedenfalls Bewegung ins Spiel, in ein bisher relativ starres System! Jetzt heißt es abwarten, was daraus wird!


Peter F. Lang, Wien

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