Leserbrief

Wo haben wir uns verloren?

Waren es die Sommerferien? Die Pause zwischen der ersten Phase und der zweiten Welle? Oder doch erst der Beginn nach dem Sommer? Die ersten Verordnungen im September? Die Pressekonferenzen, die gleich weitergelaufen sind wie im Frühjahr? Ja, da muss es gewesen sein, zu dieser Zeit! Waren wir alle noch eine Nation, geeint gegen das Virus, die im Frühjahr jede Verlautbarung anhörte, analysierte und einhielt, die im Sommer Zeit hatte, sich ein wenig zu erholen, war jetzt im September keiner mehr bereit dieselben Probleme zu akzeptieren! Nicht die Probleme, die das Virus uns bereitet, sondern die strukturellen Probleme, die sich daraus ergaben! Pressekonferenzen mit Verlautbarungen, die dann tagelang nicht in Verordnungen umgesetzt wurden, die erst wenige Stunden vor Inkrafttreten verlautbart wurden. Verordnungen, die vielfältige Interpretationen zuließen, Fragen an Ministerien, die nicht oder nur mit dem Verweis auf eine Homepage und die wieder auf ein anderes Ministerium nicht beantwortet wurden. Dies war der Zeitpunkt, da wir uns verloren haben. Die Politiker im Bund, die im Land, die Unternehmer, die öffentlich Bediensteten, die Pensionisten, die Angestellten, die Lehrer und die Eltern. Bleibt zuhause! Ein Leitspruch, den alle Menschen, deren Einkommen von der öffentlichen Hand abhängt und die dadurch finanziell abgesichert sind, leichter einhalten können, denn sie verzichten vielleicht nur auf Freizeitgestaltung. Eine Maßnahme, die gleichzeitig den Tourismus abwürgt, die Gaststätten unter Druck bringt und die vom Bundeskanzler genannten Yogastudios und Tanzschulen in den Konkurs führt.

Ja, wir müssen Opfer bringen, keine Frage, wir alle, sowohl in unserer Freizeit, als auch finanziell, aber diese Opfer müssen gleichmäßig verteilt werden. Weder darf es die Existenz ganzer Branchen kosten, noch darf es manche Gruppen durch wöchentlich neue Änderungen an die Grenzen des Burnouts bringen. Wenn die Politik meint, in Yogastudios werde das Virus verbreitet, dass verbietet den Yogastudios den Betrieb. Dasselbe gilt für Tanzschulen! Aber verlangen sie nicht, z.B. dass eine Zeitung nur mehr eine Auflage von 100 Stück haben darf und meinen hinterher, wieso haben sie die Zeitung eingestellt, sie hätten die 100 Exemplare ja in Gruppen zu sechs per Stadt oder Gemeinde verteilen dürfen mit einem Fahrradboten pro Bundesland! Lassen sie uns wieder zueinander finden! Integrieren sie das Wissen der einzelnen Branchen, setzen sie auf die Intelligenz der Nation Österreich! Binden sie uns alle ein und suchen wir gemeinsam die besten Ideen, damit wir sobald irgend möglich aus der Pandemie wieder heraus kommen. Wenn wir schon von einer Nation, also einer Einheit reden, dann lassen sie uns dies auch umsetzen!


Klaus Höllbacher, 8052 Graz

Aufgerufen am 02.12.2020 um 01:00 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/wo-haben-wir-uns-verloren-94783813

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