Leserbrief

Wohnen im Einkaufszentrum?

Spar drängt nun schon seit Jahren auf eine Erweiterung des Europark. Wie Politiker in der heutigen Zeit guten Gewissens solche Moloche, unter Anwendung aller rechtlich möglichen Ausnahmen zur Bebauung, weiter fördern können, ist mir ein Rätsel. Wenn nun Frau LR Klambauer allen Ernstes vorschlägt, dass Spar für die Erweiterung einen Ausgleich etwa in Form einer Veranstaltungsfinanzierung leisten solle, dann wird mir doppelt bange. Mehr Verkehr Richtung Europark aufgrund der Erweiterung, dafür Bespaßung der Altstadt.

Dass solche Rieseneinkaufszentren die Innenstädte auf Dauer schwächen, ja zerstören, ist anscheinend nur die Annahme von wenigen. Dass die ÖVP als "Volks"-Partei vor allem den Großkonzernen nahesteht, war für mich die letzten Jahre gut erkennbar. Warum die SPÖ allerdings so sehr für diese eintritt, kann ich mir nur dadurch erklären, dass man sich erhofft, in diesen Konzernen leichter mit Betriebsräten und Gewerkschaften Fuß fassen zu können als in kleinteiligen Betrieben.

Blieben also noch die Grünen mit ihrem Versprechen, keiner Erweiterung des Europark zuzustimmen. Kommt es dort aber auch zu einem Rückzieher wie beim Luft-80er, dann wäre das wohl für mich die Einsicht, Grün nicht mehr wählen zu können.

Eigentlich hätten wir ein sinnvolles Raumordnungsgesetz, es wird nur immer wieder von Ausnahmen durchbrochen. Kirchturmpolitik der Ortskaiser wird vom Land unterstützt und so haben wir sie überall außerhalb der Ortskerne - die Einkaufszentren. Und weil sie so weit weg sind, versuchen sie das Stadtleben nachzuahmen: Neben dem Handel gibt es Gastronomie, (Bio-)Märkte, Apotheken, Handwerker und sogar Veranstaltungssäle für Kulturveranstaltungen werden (ganz uneigennützig) angeboten. Irgendwann werden wir im Einkaufszentrum wohnen müssen.

Gerhard Angerer, 5400 Hallein

Aufgerufen am 24.09.2020 um 02:34 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/wohnen-im-einkaufszentrum-82793491

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