Leserbrief

Wozu brauchen wir heutzutage noch großkopferte Parteien ...

Obwohl man es schon ahnt bzw. weiß, dass die Parteien großteils von Spenden finanziert werden (und natürlich von den Steuerzahlern), bleibt einem doch die Spucke weg, wenn man die Liste der ÖVP- Sponsoren und deren Spendenhöhe liest. Das ist wie ein Firmen-"Who is who". Die IGO-Bau- und Immobilien-Gruppe macht es ganz schlau und stückelt ihre Spenden, damit sie unter der Rechnungshof-Grenze bleibt. Gewusst wie. Der IGO Chef meint treuherzig, er wäre so großzügig, weil er die Hoffnung hegt, bei der jungen ÖVP "Verkrustungen aufzubrechen", was immer das auch heißen mag. Was und wer sich da alles auf dieser ominösen Liste tummelt, ist aufschlussreich. Klar, auch die Tiroler Bergbahnen sind allesamt spendabel. Und die Innsbrucker Rathaus Passage ist dabei, zwar mit vergleichbar mickrigen 8400 Euro, aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist ... Die Rathausgalerien gehören pikanterweise u.a. den Pitztaler Liften, der Hypo und der Stadt Innsbruck. Ein Schelm, der angesichts des bunten Spender-Gemischtwarenladens an Einflussnahme auf die Parteien denkt. Um dem entgegenzutreten, sollte man dieses ganze undurchsichtige Geld-Gespende- und Geschiebe schlichtweg verbieten. (Oder jedem ÖVP-Wähler wenigstens 10 Euro an der Wahlurne in die Hand drücken, damit er auch ein wenig von dem schönen Geld profitiert!) Und alle Parteien sind sich einig: ein bisschen Transparenz, aber bloß kein Verbot. Das nennt man hier und in anderen Ländern auch nicht "Schmieren" oder "Bestechen", sondern legales Spenden zum Wohle der jeweiligen Partei und deren Politiker/-innen. Der Wähler gibt seine Stimme ab. Der Sponsor seine Spende. Und die Partei reibt sich die Hände und drückt zwei Augen zu. So einfach ist das. Fragt sich, wozu wir heutzutage diese großkopferten Parteien noch brauchen...

Mag. Sylvia Dürr, Innsbruck

Aufgerufen am 13.08.2020 um 11:38 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/wozu-brauchen-wir-heutzutage-noch-grosskopferte-parteien-72479590

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