Leserbrief

Zeitgenössisches Schaffen einbinden

Bei der Neubesetzung der Staatsopern-Leitung muss zwingend jemand bestellt werden, der nicht nur einen Museumsbetrieb aufrechterhält. Natürlich sollen die Highlights aus der Musikgeschichte gezeigt werden und auch einem heutigen Diskurs unterworfen werden. Es ist aber auch immer noch ein Museum, wenn man nur den alten Meistern neue, modernistisch sich gebende und teilweise groteske Behübschungen umhängt. Wenn sich ein Land so etwas leistet wie die Wiener Staatsoper, und das finde ich völlig richtig und notwendig, dann muss man aber auch das zeitgenössische Schaffen einbinden, sowie es in Berlin an den Opernhäusern (die machen etwas für ihre Komponist/-innen) und vielen anderen internationalen Häusern stattfindet und nicht nur ein paar Rosinen als Feigenblatt einstreuen. Den bedeutendsten österreichischen Komponist/-innen muss auf breiterer Basis ein Forum zur Verfügung gestellt werden. Weil an der Staatsoper jetzt so viel von Mahler die Rede ist: Der hat sich für das Neue seiner Zeit engagiert!


Richard Dünser, Komponist und Professor an der Kunstuni Graz, 1100 Wien

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