Leserbrief

Zum Logo der Festspiele

Hervorgegangen aus den Wiener Werkstätten, assistierte die junge Malerin, Gebrauchsgrafikerin und Keramikerin Poldi Wojtek (1903-1978) dem Künstler Anton Faistauer bei der Freskierung des Foyers im 1926 fertiggestellten Festspielhaus. Derartige große Arbeiten ziehen oft Folgeaufträge nach sich. Wie auch 1928, als der Kunst-historiker und kurzzeitige Werbefachmann der Salzburger Festspiele, Kajetan Mühlmann, einen Wettbewerb zur Erlangung einer Wortbildmarke ausschrieb. Und unter dem Juryvorsitz des Theatergenius und Mitbegründers der Salzburger Festspiele, Max Reinhardt, wurde der Entwurf von Poldi Wojtek auserkoren.

Damit gelang ihr ein herausragendes Kennzeichen, das die Zeiten überdauerte und zum markanten Erscheinungsbild der Salzburger Festspiele geworden ist.

Allerdings trat dieses Symbol auf den Druckwerken der in der NS-Zeit abgehaltenen Festspiele von 1938-1944 nicht in Erscheinung - und dieses, obwohl Kajetan Mühlmann, als ihr Ehegatte von 1932 bis 1941, schon in den 1930er-Jahren als einer der größten NS-Kunsträuber eine unsägliche Karriere hinlegte, von der auch seine Frau nicht nur beruflich profitierte. Doch Poldi Wojtek, die Schöpferin des unverkennbaren Festspiellogos, jetzt als NS-Grafikerin zu verunglimpfen, halte ich für verfehlt. Diese Marke soll über das bevorstehende Jubiläum weiter Bestand haben, lediglich ergänzt durch die Jahreszahlen 1920-2020, in den gleichen eleganten Schrifttypen der 1920er-Jahre.


Werner Hölzl, 5020 Salzburg

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