Leserbrief

Zur Abschiebung von Ali Wajid

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!
Sehr geehrter Herr Kurz!

Heute wurde Herr Ali Wajid, welcher sich seit Monaten im Kirchenasyl befindet, "festgenommen" und wird in den nächsten Tagen abgeschoben.

Ich ersuche Sie ausdrücklich, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, auf diese Vorgänge einen "zweiten Blick" zu werfen und auch dazu Stellung zu nehmen.

Diese Vorgehensweise ist für mich in mehrfacher Weise nicht nachvollziehbar.

Wir beklagen im Land Salzburg den massiven Mangel an Fachkräften in der Gastronomie und mit Herrn Wajid haben wir hier einen Kellnerlehrling, der genau hilft diese Lücke zu schließen und bereits bestens integriert ist.

Ungeachtet dessen, dass ich diese Abschiebung für absolut unangebracht halte, wird diese Abschiebung in einer Form durchgeführt, die einer Kulturnation absolut unangemessen ist. Her A. Wajid hat sich wie vereinbart bei der vorgeschriebenen Polizeidienststelle gemeldet und wird einfach "einbehalten", ohne die Möglichkeit sich zu verabschieden, seine persönliche Sachen abzuholen. Immer mehr setzt sich für mich die Haltung des Staates durch, dass man sich gegenüber Asylwerbern listig und regellos verhalten kann.

Mich empört dieser Vorgang deshalb so, weil ich jahrelang Arbeitgeber von Herrn Mehdi Hosseini, einem jugendlichen unbegleiteten Afghanen war, der unter meinen Fittichen Koch gelernt hat und dem jede Menge Prügel vor die Füße geworfen wurde. Durch das Talent und einem unheimlichen Willen hat Herr M. Hosseini die Kochlehre geschafft und kocht heute im Spitzenhotel "Imlauer" in Salzburg. Jetzt nach dem eingetreten Erfolg, Herr M Hosseini wurde Lehrling des Jahres in Salzburg, schreiben sich "Alle" diesen Erfolg auf ihre Fahnen und Herr M. Hosseini dient als Feigenblatt für unser Liberalität. Aber Herrn A. Wajid wird diese Möglichkeit nicht einmal eingeräumt.

Zusammengefasst halte ich die Abschiebung von Hern A. Wajid unangemessen, die Umsetzung einer Kulturnation unangemessen und wirtschaftlich für eine "Blödheit".

Ich ersuche Sie, sehrt geehrter Herr Bundeskanzler, nochmals einen. "Zweiten Blick" auf diese zutiefst menschliche Tragödie zu werfen.

Mit besten Grüßen

P. S.: Trotz aller dieser Vorgänge bin ich überzeugt, das bei der nächsten Festspieleröffnungs-Rede wieder die Ideale der Humanität, der Freiheit des Geistes
und der weltweiten Brüderlichkeit beschworen werden.

Manfred Bauer, 5412 St. Jakob a. Thurn

Aufgerufen am 21.10.2020 um 03:19 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/zur-abschiebung-von-ali-wajid-65246017

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