Leserbrief

Zur Notengebung: Gesetz schützt vor Willkür

Leserbrief zum Artikel "Lehrer lässt sich von der Behörde nicht zum Schweigen bringen" vom 25. 1.:

Die Aufregung rund um den Kuchler Lehrer Sepp Schnöll und eine Notenänderung durch die Bildungsdirektion ist aus der Perspektive Außenstehender sicherlich nachvollziehbar: Die Headline "Lehrer lässt sich von der Behörde nicht zum Schweigen bringen" klingt sogar richtig heldenhaft. Als Vater schulpflichtiger Kinder, aber auch als Lehrer erlaube ich mir dennoch gewisse Bedenken anzumelden. Denn dass jeder Lehrer "einzigartig" sei, wie Schnöll meint, und "seinen eigenen Stil" haben dürfe und solle, ist wohl richtig, gleichzeitig aber müssen gesetzliche Regelungen zweifellos für alle gelten, und zwar ohne Ausnahme. Das hat nichts mit "Gleichschaltung" zu tun, sondern ist für Lehrer/-innen und Schüler/-innen gleichermaßen ein Schutz vor Willkür und vor zu viel subjektivem Ermessensspielraum. Egal, ob einem Lehrer die Verordnungen passen oder nicht, er hat sich daran zu halten, darauf hat er bei Dienstantritt sogar einen Eid zu leisten. Individuelle Freiheit muss deswegen nicht verloren gehen, diese kann man meines Erachtens durchaus auch im Rahmen der Gesetze ausleben. Ich verstehe und teile zwar den Frust über den oftmals mangelnden Respekt für den Lehrberuf in unserem Land, und die Kritik darüber, dass rechtsstaatliche Organe zuweilen unhöflich und ohne menschliches Augenmaß handeln, ist sicherlich berechtigt. Fraglich ist allerdings, ob man dabei gut beraten ist, wenn man die betreffende Behörde umgehend vor die Öffentlichkeit zerrt.


Mag. Markus Kerschbaumer, 5640 Bad Gastein

Aufgerufen am 01.12.2020 um 10:24 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/zur-notengebung-gesetz-schuetzt-vor-willkuer-64868848

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