Leserbrief

Zweitwohnungsbesitzer nicht erwünscht

Als Zweitwohnungsbesitzerin im Salzkammergut (seit 2019 zweitwohnungsabgabenpflichtig) beginne ich, Respekt und Hochachtung vor der viel gerühmten Corona bedingten Solidarität zu verlieren. Denn diese an sich bewundernswerte Nachbarschaft-Solidarität verwandelt sich zusehends in eine "Blockwart-Solidarität". Gewisse Bürgermeister, die jahrzehntelang nicht davor zurückschreckten, zur optimalen Gewinnmaximierung in ihren einst idyllischen Ortschaften die schönsten Flächen entlang von Seen und Berghängen mit unzähligen Appartementhäusern und Feriendörfern fragwürdiger Ästhetik zu verschandeln, scheuen sich nun nicht, ihre Werbeslogans von "Erholung in frischer Luft und Schönheit der Landschaft zu genießen" in ein trotzig-überhebliches "Bleibt's dahoam und bringt's uns net den Virus mit" abzuwandeln.
Kein Grund, nun in der Krise den braven Melkkühen, die Höchstpreise für ihre Feriendomizile bezahlt, Gemeindeabgaben aller Art entrichtet und regionalen Betrieben durch ihre Ausgaben für den täglichen Bedarf sowie der "touristischen Erbauung" zu Wohlstand verholfen haben, eine gewisse Solidarität entgegenzubringen. Nicht mehr und nicht weniger, als ungehindert ihr Eigentum nützen zu dürfen! "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, er kann dahoam bleib'n!"
Genau dieses Verständnis von "Zusammenhalt" setzt sich momentan offensichtlich fort in der mangelnden Solidarität unter den 27 EU-Ländern. Armes Österreich, armes Europa!

Ilse Novak, 1200 Wien

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