Gewinner-Story #salzburglove

Danke, Salzburg!

Symbolbild SN/photo by reiseuhu on unsplash
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Zu meinem 14. Geburtstag bekam ich ein besonderes Geschenk - eine Einladung in das Salzburger Literaturhaus. Dort gab es eine Lesung mit dem syrischen Schriftsteller Rafik Schami. Das ist ein Künstlername und bedeutet so viel wie Freund aus Damaskus. Rafik Schami emigrierte vor 48 Jahren nach Deutschland. Damals sprach er noch kaum Deutsch. Heute ist er ein erfolgreicher deutschsprachiger Autor. Er ist sehr sympathisch und erinnert mich ein bisschen an meinen Opa. So gut Deutsch wie er möchte ich auch mal können!

Auch meine Muttersprache ist Arabisch, auch ich komme aus Syrien. Ich bin mit meinen Eltern und meinen zwei Brüdern im November 2015 nach Salzburg geflohen, weil in Syrien Krieg herrscht. Mein dritter Bruder wurde schon in Salzburg geboren. An mein erstes deutsches Wort kann ich mich nicht mehr erinnern. Es war vermutlich "Hallo" oder "Ja" bzw. "Nein". Oder vielleicht doch "Danke"? Gelernt habe ich es in der Volksschule Lehen II. Jetzt gehe ich in die dritte Klasse Gymnasium. Auf der letzten Deutsch-Schularbeit habe ich einen Zweier geschrieben. Ich habe mich mega darüber gefreut. Das Thema war ein Beschwerdebrief. Dabei habe ich keinen Grund mich zu beschweren, denn es gefällt mir in Salzburg sehr gut.

Aber die erste Zeit war echt stressig. Wir wohnten zu sechst in einer winzigen Wohnung. Ich vermisste meine Großeltern, meine Onkeln, meine Tanten und meine Cousine, mit der ich in dieselbe Klasse gegangen bin. Und ich vermisse sie heute noch. Manchmal war ich sehr unglücklich. So hatte ich mir das Leben in Österreich nicht vorgestellt. Aber mein Vater tröstete mich immer: "Du wirst sehen, alles wird gut!" Und er hatte recht. Im Sommer bekamen wir eine größere Wohnung, und ich schaffte es ins Gymnasium.

Salzburg ist die schönste Stadt, die ich kenne. An ihr mag ich die Landschaft, die hohen Berge, die schönen Seen und die Altstadt. Ich habe viele Freundschaften geschlossen und sehr viele nette Menschen kennengelernt. Eine Frau ist besonders nett. Seit dreieinhalb Jahren unterstützt sie meine Brüder und mich beim Deutschlernen und ist eine Freundin der Familie geworden. In den Ferien zeigt sie uns ihre Heimatstadt, und wir gehen in den Zirkus, auf die Festung, in das Haus der Natur und in den Zoo.

Wir waren auch im Salzburger Landestheater und schauten uns das Musical "Sound of Music" an. Dort wird die Geschichte der Familie von Trapp erzählt. Auch sie mussten wegen Krieg ihre Heimat verlassen. Die Familie von Trapp fand ihr Glück in Amerika, unsere Familie hier in Salzburg. Und das, obwohl wir nur vier Kinder sind und nicht so schön singen können.

Halimah Alsharif


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Quelle: SN

Aufgerufen am 21.01.2021 um 04:11 auf https://www.sn.at/leserforum/leserspalte/gewinner-story-salzburglove-danke-salzburg-80469460

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