Gewinner-Story #salzburglove

Salzburg inter-national

 SN/photo by andrew butler on unsplash

Diese Geschichte könnte an vielen Orten spielen - allerdings, wenn ich darin vorkomme, eher in Salzburg, das ich in der Gewissheit, hier alles, was ich brauche zu finden, selten verlasse. Als vermutlich eine der wenigen "Ureinwohner/-innen" genieße ich es, meine Wege durch die bunten Menschenscharen, die von überall her zu uns nach Salzburg kommen, zu bahnen. Dabei schweifen auch bei alltäglichen Besorgungen meine Blicke immer wieder neu staunend über Altgewohntes.

Heute führt mich mein Heimweg auf eine kleine Stärkung zu McDonald´s in der Getreidegasse. Dort gibt's die Tasse Kaffee, die ich gerne mag: Groß, mit viel Milch, weißem, flockigem Schaum, einem Glas Wasser und einer Kakao-Mandel als Draufgabe auf dem Tellerrand. In einer Ecke lädt mich ein Plätzchen ein, die SN aufzuschlagen, doch mit dem Lesen komme ich nicht weit. Die anderen Gäste sind zu spannend - finden sich doch Menschen aller Altersgruppen, Hautfarben und Sprachen hier zusammen.

Nachdem eine lebhafte Schulklasse den Saal verlassen hat, kommen mehrere Burschen - einer davon nimmt mit ausschweifender Tanzbewegung und lautem Ausruf kurz den Raum für sich ein. Dann fallen alle in der gegenüberliegenden Ecke in gepolsterte Sitze, unterhalten sich in gebrochenem Deutsch, manche mit Blick auf ihr Handy. Die Stimmung ist gut.

Mit kleinen Schlucken leere ich meine Tasse und frage mich: "Woher stammen sie wohl? Wie stehen sie miteinander in Beziehung? Wie geht es ihnen so fern ihrer Heimat?"

Dann wird mir bewusst: Integration funktioniert anders! Nicht Gedanken machen, sondern… Und schon bin ich mit meinem Wasserglas drüben und frage, ob ich mich zu ihnen setzen darf... Skeptische Blicke verraten, dass ich herumnörgeln könnte. Aber, als ich mich und mein Anliegen, mehr über sie zu erfahren, vorstelle, weichen Verwunderung und Verlegenheit heiterer Neugierde und Offenheit. Schlussendlich finden sie es gut, dass ich sie angesprochen habe. Ich erfahre, dass sie Schulkollegen sind, alle mit Migrationshintergrund und - Moslems - fügen sie vorsichtig hinzu. Sie kommen aus verschiedenen Ländern: Albanien, Bosnien, Türkei… Ah! Drum sprechen sie miteinander Deutsch! Und: Ja, sie haben gute Kontakte untereinander, auch teils zu Salzburger Jugendlichen. Ich höre, dass sie oft mit Vorurteilen konfrontiert sind, die dunkle Hautfarbe und das Kopftuchtragen erleben sie misstrauisch beäugt.

Es ist ein verbindendes miteinander Lachen, als ich ihnen erzähle, dass es in meiner Kindheit vor über fünfzig Jahren am Land noch Frauen gab, die Kopftücher auf hatten und auch ich als kleines Mädchen eines trug - allerdings statt einer Haube und nicht aus religiösen Gründen.

Diana Reitenbach

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