Herz und Seele

30 Jahre später

Ein Glück mit 180 Liebesbriefen. SN/truchsess
Ein Glück mit 180 Liebesbriefen.

Am 18. April 1989 war ich zu einer Vernissage im Theseustempel, im Volksgarten in Wien, unterwegs. Der Flieder blühte, ich war vier Monate Witwe. Ich schnupperte an einer Dolde - wähnte mich allein, da hörte ich: "Duftet er gut?" Ich dachte ER wäre ein Besucher der Ausstellung. Wir gingen gemeinsam die Treppe hinauf. ER erklärte mir die Bilder. Ich fragte: "Kennen Sie die Künstlerin?" ER: "Nein, ich bin für zwei Tage dienstlich in Wien und eigentlich interessiert an den Jugendstilgebäuden." ICH: "Oh, da hätte ich mich nicht ansprechen lassen". Am Ende der Ausstellung gingen wir zum Naschmarkt, ich erklärte die Prachtbauten von Otto Wagner. Dann gingen wir über die Kärntnerstraße zum "Zwölf Apostelkeller" auf ein Schmalzbrot und ein Glas Wein. Wir redeten und redeten bis zur Sperrstunde. Ein Taxi brachte ihn zum Hotel und mich nach Hause, wir telefonierten noch bis zum Morgengrauen. In der Früh rief ich meine Mutter an und schwärmte: "Ich habe einen tollen Mann kennengelernt!" Wir sind beide Jahrgang 1936. Da wir berufstätig waren, pendelten wir zwischen München und Wien, bis ich 1993 in Pension gehen konnte. 1992 heirateten wir und pendelten noch ein Jahr als Ehepaar. Etwa 180 Liebesbriefe bezeugen unsere schöne Geschichte.
Annemarie und Volker Truchsess

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