Leserbrief

Nicht durch viel Geld, sondern durch gute Führung

Bild von Leser Jürgen Reinke SN/jürgen reinke
Bild von Leser Jürgen Reinke

Zum Leserbrief v. 6. 7. 19: "Es müssen Taten folgen!" Das ist ja eine interessante Sichtweise, die Herr Mag. Chr. Deutinger in seinem Leserbrief vom 06.07.19 darlegt - und die ihn 'zum Weinen' bringt.
Nur weil die Österreicher ein fleißiges Volk sind und die österreichischen Unternehmen kreativ und erfolgreich sind - und deshalb ein hohes BIP erzielen, 'beansprucht' das Bundesheer einen bestimmen Prozentsatz als Budget. Höre ich da den amerikanischen Präsidenten, der auch dieser Meinung ist - und dabei nicht sagt, dass wir doch von diesem Budget bitte viele neue Rüstungsgüter in den USA kaufen sollen.
Tatsache ist doch, dass sich das Verteidigungsbudget fast vollständig einer öffentlichen Kontrolle entzieht - ergo die Besteller das vorhandene Geld für das ausgeben, was sie für richtig halten. Hinzu kommt, dass der derzeitige Verteidigungsminister als 'einer der ihren' seinen Leuten natürlich was gutes tun - und in seiner kurzen Amtszeit mehr Geld zuweisen will (Stichwort: Militärparade). Interessant ist auch die Argumentation, man hätte kein Geld für Munition - und daher seien Hilfseinsätze gefährdet. Was soll denn bei dem Bau von Dämmen gegen Hochwasser mit Waffengewalt verteidigt werden?
Ich bin selbst in diversen großen Organisationen tätig (Konzerne, Krankenhäuser, Sozialversicherungen, Bundesbehörden). Daher weiß ich, dass die Budgetgebarung dieser Organisationen immer Spielräume für Einsparungen beinhaltet, ohne auf (notwendige) Leistungen verzichten zu müssen. Das Bundesheer gibt ca. 2,5 Mrd. EUR im Jahr aus (ca. 4x soviel, als für Bildung ausgegeben wird). Und das für einen - zugegebener Maßen - sehr abstrakten Auftrag. Da kann immer der eine der Meinung sein, das wäre zu wenig, der andere, es wäre genug und der dritte es wäre zu viel. Die Frage muß auch sein, ob die Ausmusterung und Neuanschaffung neuer Panzer oder Geschütze, die dann auch wieder nur (man verzeihe mir die despektierliche Ausdruckweise) sinnlos durch die Landschaft gefahren werden, wirklich sinnvoll und notwendig ist (s. o. bzgl. öffentlicher Kontrolle).
Für jedes Unternehmen wird als Bezugsgröße für die Ausgaben (Budget) i.d.R. der Umsatz genommen. Wieso nimmt man für die Verteidigung (nicht nur in Österreich) eine Bezugsgröße (BIP), die in keiner Relation zum Leistungsauftrag des BH steht. Oder soll jeder Euro des BIP proportional mit Sturmgewehren verteidigt werden?
Zur Klarstellung: Ich halte ein Bundesheer grundsätzlich für sinnvoll und notwendig. Insbesondere habe ich großen Respekt vor den Auslandseinsätzen (für die übrigens nur 2,8% des BH-Budgets verwendet werden). Ein gutes Bundesheer zeichnet sich aber nicht durch viel Geld, sondern vielmehr durch gute Führung, effektive Strukturen und gegenseitige Wertschätzung aus. Dann muß auch niemand weinen.

Jürgen Reinke, 5760 Saalfelden

Aufgerufen am 16.10.2019 um 07:04 auf https://www.sn.at/leserforum/leserspalte/leserbrief-nicht-durch-viel-geld-sondern-durch-gute-fuehrung-73156939

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