Meine Heldin

Meine Heldin studiert heute

Symbolbild SN/photo by laura thonne on unsplash
Symbolbild

Meine Heldin wird heuer 80. Ihr ist im Leben nichts geschenkt worden. Als eines von sechs Kindern aufgewachsen, hat man sie, obwohl hochbegabt, keine weiterführende Schule besuchen lassen. Sie musste die nächste Lehrstelle annehmen, die es gab und das Geld zuhause abliefern.
Immer war sie berufstätig und hat sich doch als Frau und Mutter gleichzeitig liebevoll um ihre Familie gekümmert. Nebenbei schafft sie es, auch noch Karriere in ihrem Traumberuf zu machen, denn sie liebt Zahlen. In der Pension dann pflegt sie ihren kranken Mann, lernt mit den Enkeln und bringt anderen Senioren das Kartenspielen bei. Schon verwitwet lernt sie einen älteren Herrn kennen und lieben - meinen Vater. Gemeinsam erleben sie einen zweiten Frühling, teilen ihre Begeisterung für Geschichte, Wandern, gutes Essen und menschliche Nähe. Sie verhilft ihm zu neuer Lebensfreude und begleitet ihn durch Krankheit und Behinderung bis ans Ende. Von Aufopferung will sie nichts hören, stattdessen betrachtet sie alles, was sie erlebt hat, als Geschenk.
Was sie jetzt macht? Immer noch Marmeladen für alle - und sie studiert mit großer Begeisterung an der Uni. Und wenn ich mich mit dem Computer nicht auskenne, frage ich sie.
Inge Vavrovsky

Quelle: SN

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