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Bruckdorfer Anklöckler

Symbolbild SN/photo by super panel on unsplash
Symbolbild

Ich stand am Fenster und träumte. Reichlich Schnee bedeckte die Felder des Lungaus, glitzernde Eiszapfen hingen von den Dächern. So schön wäre jetzt ein Häferl Kräutertee, welches ich doch gemütlich im Wohnzimmer, vor dem knisternden Feuer auf der Couch genießen könnte. Da holte mich mein Mann aus meinen schweifenden Gedanken. Nicht einmal fünf Minuten waren mir vergönnt und das im Advent.

Schon wieder hatte er einen Knopf bei seinem Leibl ausgerissen. Unsere Kinder schmunzelten und wussten, dass ich bald wieder im Laufschritt durchs Haus eile. Schließlich musste rasch der Knopf am Leibl des Wirts angenäht werden. Nein, wir haben kein Gasthaus. Wir machten uns gerade fertig, um wieder mit den Anklöcklern von Haus zu Haus die Freude von Weihnachten zu verbreiten und einige besinnliche ruhige Minuten zu bringen. Gerade im Lungau war früher der Winter eine Zeit der Ruhe, der Erholung, vielleicht auch der Stille. Diese Zeit ist aber schon lange vorbei und das nicht erst seit der Piefke-Saga.

Auch ich, der einfache Hirte, musste mich fertig machen. Hinein in den abgestoßenen Janker vom Ur-Opa und den Wetterfleck vom Oberförster. Der Hut könnte wahrscheinlich so manche Geschichte erzählen. Schon ganz löchrig ist der Arme, aber ich glaube, dass es ihm eine besondere Ehre ist, mit den Anklöcklern unterwegs zu sein. Der Wirt, edel wie er meint zu sein, warf sich noch einen Schladminger über.

Mehr oder weniger im Laufschritt, gesellte sich einer nach dem anderen dazu. Die fünf Hirten, der Wirt und natürlich Maria und Josef. Wir fragten uns, warum wir Jahr für Jahr die Probenarbeit, in einer doch recht intensiven Zeit auf uns nahmen. Es brauchte seine Zeit, bis alle tatsächlich angekommen waren und unsere Stimmen zu einer Einheit wurden. Draußen war es bereits dunkel, die ersten Sterne funkelten am Himmel, der Schnee knirschte unter unseren Füßen. Eigentlich sollten wir den Augenblick der sternenklaren Nacht genießen. Der eisige Wind wehte uns um die Ohren und so machten wir uns schnellen Schrittes auf den Weg.

Singend traten wir in das erste Haus ein. Wir wurden in die Stube gebeten, wo uns eine heimelige Wärme, durchzogen vom Duft nach Vanille, empfing. Alle freuten sich über unser Kommen. Die Kinder waren etwas irritiert und rückten im Tischwinkel eng zusammen. Schon erklang vom Vorhaus "Oh gebt uns Herberg heut!" Der Wirt machte seine Schultern breit und unterstrich seinen grimmigen Antwortgesang mit geballten Fäusten. Die Kinder schauten verdutzt, die großen Augen ließen ihre Anspannung erkennen, beinahe vergaßen sie zu atmen. Ihre Augen begannen zu strahlen, als sie der Weihnachtsgeschichte vom Packerl suachn und Kekserl bockn lauschten. Im Raum machten sich sehr bald Zufriedenheit und Dankbarkeit breit und alle rückten, jetzt aufgrund der Freude, enger zusammen. Spätestens beim Lied "Ziagg a Stern …" wurden die Augen feucht und so manche Träne kullerte über die Wange. Da wussten wir wieder was "Weihnachten" bedeutet.

Burgi Kaiser

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Quelle: SN

Aufgerufen am 18.01.2021 um 10:07 auf https://www.sn.at/leserforum/leserspalte/salzburglove-bruckdorfer-ankloeckler-80422972

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