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Das Ersatz-Date

 SN/photo by ben white on unsplash

Vor einer gefühlten Ewigkeit (Anfang der achtziger Jahre) kam ich aus dem hintersten Gebirgsgau nach Salzburg. Für die heutige digitale Zeit unvorstellbar gelang es mir ohne Handy und Internet zu einer kleinen Wohnung und einer Arbeitsstelle zu kommen. Solcher Art bestens in der Fremde eingerichtet, traf ich zufällig eine Jugendfreundin wieder. Auch sie war in die Großstadt Salzburg gekommen, um Ihre Zukunft zu gestalten. Die Ziele wichen aber von meinen grundlegend ab. Die Freundin beabsichtigte, reich zu heiraten und das Leben zu genießen.


Um diesem Ziel schnell näher zu kommen, hatte Sie sich bei der, damals einzigen, seriösen Partneragentur in Salzburg eingeschrieben.
Nach diversen Treffen mit potentiellen Kandidaten hatte sie schon eine gewisse Routine und Effizienz bei der Partnerwahl entwickelt.

Eines Tages rief sich mich an und bat mich um meine Unterstützung. Sie hätte zwei Kandidaten, wisse aber nicht wer für sie besser passen würde. Daher müsste ich ihr helfen und einen der beiden "abchecken", wie man heute sagen würde. Meine Telefonnummer hatte sie einem der beiden, schon unter der Vorspiegelung es wäre Ihre, gegeben.

Nach langem hin und her war ich dann mit von der Partie. Wir saßen im damaligen Café Glockenspiel und beobachteten das Eintreffen unserer Date-Partner. Einer war zum Mozart-Denkmal bestellt - der andere zum Eingang der Landesregierung (jetzt ist es der Eingang zum Salzburg Museum).

Nach kurzem Warten erschien ein fescher Unternehmer beim Denkmal und meine Freundin zog glücklich von dannen.

Da ich beim besten Willen niemanden am zweiten Treffpunkt ausmachen konnte, beschloss ich, nach Hause zu fahren. Eigentlich froh, dass sich das Ganze so aufgelöst hatte, da ich nicht wirklich glücklich mit dieser Situation war.

Kaum zu Hause angekommen, läutet auch schon das Telefon. Der besagte Herr war am anderen Ende und bedauerte sehr, dass wir uns irgendwie verpasst hatten.

Da es mir zu kompliziert erschien, diese Scharade aufrecht zu halten, schenkte ich ihm reinen Wein ein. Ich entschuldigte mich für das Vorgehen meiner Freundin und war mir sicher, dass die Sache damit erledigt ist.

Mein Gesprächspartner war aber keineswegs verärgert, sondern eher amüsiert und gestand, dass auch er die Sache mit der Partneragentur nur halbherzig verfolgt hatte.

Dafür überredete er mich zu einem zweiten Anlauf für ein Treffen. Nach 15 Minuten holte er mich bereits zu Hause ab und ein halbes Jahr danach folgte der Heiratsantrag.

Wir sind jetzt schon 35 Jahre verheiratet und freuen uns, dass es das Schicksal so gut mit uns gemeint hat.

Salzburg ist noch immer unser Lebensmittelpunkt. Da wir etwas außerhalb wohnen, fahren wir immer wieder gerne in die Stadt und genießen das kulturelle Angebot oder einen romantischen Spaziergang.

Wintersonne

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