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Der "Herr König"

 SN/photo by louis hansel on unsplash

Die ersten Wochen im Büro von Herrn Generalkonsul Pappas bei Mercedes in Salzburg lernte ich nur Titel auswendig, wie man die Herrschaften am Telefon, im Brief oder auch in Wirklichkeit anzusprechen hatte. Das ging von Kaiserlichen Hoheiten bis zu einfachen Baronen, Freiherren und den dazugehörigen Damen. Auf keinen Fall durfte ich "Herr Baron" sagen, das durften nur die Untergebenen des Barons. Analog mit allen Adelstiteln. Eine gab's, die sagte sowieso immer gleich: Nennen Sie mich einfach Fürstin! Sie hieß - und heißt - im Nebentitel Mammarazzi und hielt Hof in Fuschl.

Zu den Titeln kamen die Briefpapiere. Der "GK" hatte mehrere Funktionen und dafür die entsprechenden Drucksorten. Dazu gehörten u.a. die Firma und das Generalkonsulat, und da wiederum verschiedene Abstufungen, je nach Inhalt und Nähe zu den angeschriebenen Personen.

Das "Höchste der Gefühle" war ein wunderschönes blaues Briefpapier nur mit dem Namen in Gold geprägt. Ich spüre die Prägung heute noch unter meiner Zeigefingerspitze, nicht, weil ich es so oft verwenden musste, sondern weil es so schön anzusehen und anzufühlen war.

Manchmal tanzte ich unter der Woche bis 4 Uhr früh in der Disco "Fallenegger", ich war ja noch recht jung. Morgens am Schreibtisch musste ich mich dann mit Hilfe meiner Hände ein bisschen abstützen, wenn ich Zeitungen "vor las" und für den GK Wichtiges ankreuzte. Dann wirkte das Blau des allerhöchsten Briefpapieres richtig wohltuend auf meine geröteten Augen.

Ich bekam auch noch zwei Kilts verpasst, einen durfte ich selber aussuchen, einer musste blau-grün sein. Meine Kleidung aus den 4 Jahren im "Film Biz" in München war nur bedingt geeignet.

Als ich dann so halbwegs fit war, gab es ein Gespräch mit der Personalchefin, die mir noch einige Schwächen aufzeigte und austrieb. Dann wurde ich auch auf die Telefone losgelassen. Schon bei der Einstellung hatte der Herr GK mir "verboten", meinen Kärntner Akzent im Büro zu verströmen. Das ging, nach 4 Jahren München.

Es gab im "Allerhöchsten" zwei Telefone. Eines davon zwar nicht rot, wie bei Kennedy und Chruschtschov, aber auch "heiß". Ich hatte einmal vergessen, eine Telefonnummer zu notieren. Daraufhin hat mich der GK fast um einen Kopf kürzer gemacht. Es herrschte längere Zeit diplomatische Verstimmung zwischen uns.

Eines Tages in der Mittagspause klingelte das "heiße" Telefon und ließ sich nicht mehr "abschütteln". Ich musste irgendwann drangehen. Am anderen Ende ein Mann. Seinen Namen wollte er nicht nennen. Ich hatte die diplomatische Eiszeit noch nicht vergessen, wusste, ich dürfte mir so einen Schnitzer nicht noch einmal leisten. Und blieb hartnäckig. Der Mann wurde zuhörends unfreundlicher. Ich insistierte. Erklärte ihm meine "GK-Not". Er klang schon ziemlich genervt und schnauzte mich schließlich an: I'm The King of Greece!!! Tüt tüt tüt...

Oh, my Gawd!!! Der "Herr Ex-König", His Majesty Konstantin von Griechenland, Ritter des Elefantenordens! (laut Wikipedia)

Margret Moser

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