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Die Salzburger

 SN/photo by tony bertolino on unsplash

Wir Salzburger haben's nicht leicht. Kaum dass wir unseren Geburts- oder zumindest Wohnort "Salzburg" ausgesprochen haben, verklären sich die Augen des Fragestellers auf seltsame Weise und ungeahntes Salzburg-Wissen kommt zutage. So wie neulich in Wien:

"Wow, sie kommen aus Salzburg. So eine schöne Stadt. Gibt's eigentlich dieses altwürdige Kaffeehaus, na wie heißt's noch. Auf diesem Platz. Sie wissen schon." "Sie meinen wahrscheinlich das Tomaselli, ja, das gibt's noch", werfe ich ein. "Genau, wirklich schön. Aber teuer ist's da bei euch in Salzburg. Ein Wahnsinn. Du, Ulli, die Dame ist aus Salzburg. Weißt eh - Salzburg." Kaum ausgesprochen steht sie da. Ulli! Und neue Fragen hämmern auf mich ein. "Von wo genau kommen sie denn?", fragt sie. Wissend, dass eine ehrliche Antwort noch mehr Begeisterungsstürme auslöst, sage ich: "Downtown, wir wohnen mitten drin." "Oh wie schön. Das muss man sich erst einmal leisten können. Sind sie in Salzburg geboren?" "Ja", wieder ehrlich, viel zu ehrlich fällt meine Antwort aus. "Tja, diese Salzburger. Eigentlich lernt man ja "richtige" Salzburger gar nicht kennen. Die bleiben ja so unter sich, wie man so schön sagt", meint Ulli wissend. Klar hätte ich jetzt die passende Antwort. Eine Antwort wie z. B. "Als ich letztens in Wien war, wurde ich von einer alteingesessenen Wiener Familie, die ich zufällig im Kaffee traf spontan zum privaten Essen eingeladen." Aber, nein, ich hab's nicht gesagt, nur gedacht. Viel zu höflich, genau, zu höflich bin ich. Noch in Gedanken geht's schon weiter mit Ullis Weisheiten rund um Salzburg. "Und diese Festspiele. So tolle Aufführungen. Und dann all die Prominenz in der Stadt. Ihr habt echt Glück, ihr Salzburger. Wir würden ja gerne mal den Jedermann sehen, aber da bekommt man ja eh keine Karten." Ulli schaut mich herausfordernd an. Irgendwie so, als müsste ich jetzt, als gebürtige Salzburgerin, völlig unkompliziert zwei Karten besorgen können. Für sie und ihren Mann - eh klar! "Also, wenn sie sich rechtzeitig beim Kartenbüro um Karten bemühen ist das sicher machbar", erwidere ich pflichtbewusst. "Aber was ziehe ich denn dann an. Da trägt man ja ein Dirndl. Und du erst." Ulli wendet sich ihrem Mann zu. "Du hast ja auch keine Tracht." Und schon bin ich wieder dran. "Ihr Salzburger habt das ja immer an. Ihr seid da ja quasi hineingeboren." Sie lacht.

Auch ich muss schmunzeln, denn gerade ist mir der Gedanke gekommen, dass wir Salzburger eigentlich nur immer wieder Klischees erfüllen. Erfüllen müssen sozusagen sonst wären's ja irgendwann weg, die Salzburg Klischees. Fad!

Sabine Steindl

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