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Ein Klassentreffen mit Folgen

Symbolbild SN/photo by freestocks.org on unsplash
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Wie immer saß mein Sohn am Beifahrersitz, als wir nach einem sommerlichen Sonntag nach Graz fuhren. Ein Jahr ging das schon so. Ein Wochenende fuhren mein Sohn und ich nach Salzburg, das nächste kam meine Freundin in die Steiermark. Auslöser für diese Routine war das 25-Jahre-Matura-Jubiläum. Wir trafen uns in der Obersteiermark, nachdem wir über zwei Jahrzehnte keinen Kontakt zueinander hatten. Nur kurz konnten wir miteinander plaudern, weil ich noch zu einem Konzert meiner Tochter musste. Mittlerweile war ich seit fünf Jahren Witwer und alleinerziehender Vater einer erwachsenen jungen Frau und eines 12 Jahre jungen Buben. Beim Klassentreffen hatten wir darüber gesprochen und auch über ihre Zeit nach der Scheidung. Als wir noch gemeinsam die Schule besuchten, waren war ein Paar. "Durch dich hab ich die Mathe-Matura geschafft", erinnert sie mich manchmal scherzhaft. Versteht sich, dass wir unsere Zeit nicht nur mit Mathematik verbrachten...

Nach der Schulzeit verloren wir uns aus den Augen. Ich ging für das Studium nach Wien, sie siedelte aus beruflichen Gründen nach Salzburg. Ihr herzlicher Charme und ihre fröhliche Ausstrahlung blieben mir stets in Erinnerung - und bezaubern mich nach wie vor. Das wurde mir beim Matura-Jubiläumstreffen bewusst. Fast alle, die zugesagt hatten, saßen schon in der Gaststube und warteten auf das Essen. Sie, die es mit der Pünktlichkeit nicht so genau nahm, betrat unerwartet den Gastraum. Freudige Begrüßungen, ein paar launige Worte, ein Busserl links, eines rechts - alle freuten sich, dass sie auch gekommen war. "Wow", dachte ich mir, "eine wundervolle Erscheinung..." Sie hatte meine Erinnerungen kräftig aufgefrischt.

Einige Tage nach diesem Treffen nahm ich mir ein Herz und schrieb ihr ein paar Zeilen. Wochen vergingen, als endlich eine Antwort kam. Aber dann erhöhte sich die Frequenz unserer Kommunikation. Als ob wir zwei Jahrzehnte des Stillstandes wie einen Nebel vor uns wegwischten, telefonierten wir immer öfter und immer länger miteinander. Die Sehnsucht nach einem Treffen nahm stetig zu. Ich organisierte mir ein freies Wochenende und fuhr nach Salzburg. Das läutete den Beginn unserer Wochenendbeziehung ein. Bis mein Sohn ein Jahr später während der sonntäglichen Heimfahrt meinte, er könne sich gut vorstellen, in Salzburg zu leben. Diese überraschende Aussage löste eine organisatorische Dynamik aus. Mein Sohn, der sich in der Schule mehr Sport wünschte, ergatterte den letzten freien Platz an einer Salzburger Sportmittelschule. Mein Chef räumte mir ein, dass ich vom (unbesetzten) Salzburger Büro aus meine Arbeit erledigen konnte. Und meine Tochter freute sich, dass sie nun in Graz alleine eine Studentenwohnung beziehen konnte. Das war vor etwas mehr als vier Jahren. Salzburg hat mich durch die Liebe zu einer wunderbaren Steirerin zu sich geholt und mich glücklich gemacht.

Jeff

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Quelle: SN

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