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Es könnte viel bedeuten

Symbolbild SN/photo by latrach med jamil on unsplash
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Unterwegs nach Salzburg ins Literaturhaus. Vier Frauen und eine Aufgabe. Ingeborg Bachmanns Texte vertont auf die Bühne bringen.

Salzburg, das ist für jemanden, der in Oberösterreich in einem kleinen Dorf geboren ist, das ferne, fast unerreichbare Land, wo Milch und Honig fließt. Mozarts Geburtsstadt, das hat für mich keine fassbare Bedeutung, aber es klingt nach großer weiter Welt. In erster Linie nach Mozartkugeln. Wie berühmt und gut muss jemand sein, der seine eigenen Schoko bekommt? Seine Musik lerne ich erst viel später kennen und schätzen.

"Auf Soizbuag auf an Kaffee foarn", das war der Inbegriff von Luxus, von Freiheit, von Erwachsen-Sein. Wenn sie ihr erstes Auto bekommen hatten und von der ersten Ausfahrt zurück kamen, überschlugen sich die Burschen mit Erzählungen der Fahrt nach Salzburg. Dabei natürlich ganz cool und fast nebenbei der vorsichtige Anbrat-Versuch: "Kaunst eh amoi mitfoarn."

Jetzt, Jahrzehnte später, sitzen wir im Auto und freuen uns auf einen Auftritt im Literaturhaus Salzburg. Am nächsten Tag war geplant, nach Saalfelden weiterzufahren, wo ein weiterer Auftritt im Nexus geplant war. Dass dieser Auftritts wegen Schneemassen verschoben werden musste, wir kamen tatsächlich nicht durch das kleine deutsche Eck und steckten stattdessen den ganzen Tag auf der völlig vereisten Autobahn Richtung Wien fest, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir blödeln herum, spinnen Pläne unserer Weltkarriere auf den großen Bühnen der Welt, freuen uns, dass unsere Kinder - wir haben gemeinsam sechs Band Babys - bestens versorgt sind und wir uns ganz auf unser Musikerinnen Dasein konzentrieren können.

Salzburg, Literaturhaus, Soundcheck, Endorphine pur. 30 Minuten vor dem Konzert. Der Soundcheck ist erledigt, Interviews sind gegeben, wir sitzen in der Künstlergarderobe, essen eine Kleinigkeit und warten gespannt auf unseren Auftritt. Plötzlich ein spitzer Schrei von unserer Sprecherin, überall Blut. Wir kennen uns überhaupt nicht aus, woher das viele Blut plötzlich kommt. Panik. Ich kann kein Blut sehen, mir wird schlecht. Der Pianistin und der Bassistin geht es ähnlich. Spitze Gesichter, weiße Nasen. Wir sind völlig geschockt. Gerade noch im Auftrittsmodus, plötzlich die Frage: Brauchen wir die Rettung? Kurzfristige Absage? Ohne sie spielen? Ohnmächtig werden? Was tun?

Der Chef vom Literaturhaus hat alles im Griff. Nasenbluten. Er holt eine Eispackung und legt sie unserer Sprecherin in den Nacken. Ist nicht das erste Mal, erzählt er. Sowas passiert schon mal vor einem Auftritt. Innerhalb weniger Minuten ist alles wieder gut. Ein hilfreicher Geist aus dem Büro hat das Blut weg gewischt, ein Glas Wasser für jede von uns. Noch einmal tief durchatmen. Ready.

Na, wenn das nicht die richtige Mood für ein Konzert mit Bachmann-Texten ist. Es könnte viel bedeuten.

Das Haus war voll, der Abend fantastisch, das Konzert unvergesslich.

Daniela Krammer

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Quelle: SN

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