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Gaisberg - Schicksalsberg

Symbolbild SN/photo by everton vila on unsplash
Symbolbild

11.05.2008. Muttertag und Pfingstsonntag zugleich. Wunderschönes Wetter. Es treibt mich quasi hinaus aus der Wohnung, ab ins Koppler Moor, um von dort den Gaisberg zu erwandern. Den Wanderweg kenne ich in- und auswendig, ich genieße die Ruhe, lasse meine Gedanken schweifen. Oben angekommen wende ich mich zuerst dem Gipfelkreuz zu, und lege mich dann einige Meter unterhalb in die Wiese zum Rasten und weiterdenken.

Schließlich wird mir langweilig. Also packe ich meine Siebensachen, um zum West-Startplatz der Paraglider zu schauen. Meine Schritte lenken sich über den Kiesplatz des heutigen Kohlmayrs Gaisbergspitz Richtung Startplatz. Ein Radfahrer steigt soeben dort auf sein Rennrad, grüßt mich freundlich und düst davon. Ich schaue ihm noch nach - ich steh auf grüßen (davon können die Jugendlichen, die morgens mit mir an der Haltestelle auf den Bus warten, ein Lied singen), und auf die Schnelle beurteilt, wäre er auch recht attraktiv gewesen, der Radler. Schade.

Es herrscht Föhn - also keine Wetterlage für Paraglider. Hm. Was tun? Wenn ich jetzt nach Hause fahre, habe ich einen langweiligen Nachmittag, dort ist niemand. Wenn ich mich wieder in die Wiese lege, unterhält mich das auch nicht. Also entscheide ich, mich in den Gastgarten des heutigen Kohlmayrs Gaisberspitz zu setzen. Ich hole mir ein Getränk und lasse mich am Ecktisch nieder. Am Nebentisch liegen Radhandschuhe, ich schenke ihnen kaum Beachtung.

Plötzlich sehe ich den vorher so freundlich grüßenden Radfahrer auf mich zukommen - er greift sich die Radhandschuhe vom Nebentisch! Ich lasse ein "Oje" hören. Er antwortet: "Wem sagst du das, ich war schon auf der Zistel, als ich bemerkte, dass mir meine Radhandschuhe fehlen. Also bin ich zu Trainingszwecken nochmal rauf gefahren, obwohl ich kurz überlegt habe, ob ich mir das für die alten Dinger überhaupt antun soll. Ich möchte aber demnächst beim Glocknerrennen mitfahren. Also hab ich entschieden, dass es wohl keine schlechte Idee ist, nochmal raufzufahren. Aber jetzt hab ich mir etwas zu Trinken verdient. Darf ich mich zu dir setzen?"

So lernte ich meinen Göttergatten kennen, wir saßen stundenlang oben und trafen uns abends noch in der Salzburger Innenstadt im Peterskeller, um ein klein wenig später im Shamrock diesen wundervollen Tag ausklingen zu lassen.

Dem Gaisberg und den Radhandschuhen sei Dank.

Jedes Jahr am 11.05. nehmen wir uns frei und fahren/radeln/gehen auf den Gaisberg, soferne es uns irgendwie möglich ist. Die Radhandschuhe zieren samt Datum unsere Wand im Vorhaus. Und wir sind dem Schicksal dankbar und glücklich, dass es uns am 11.05.2008 auf so wunderbar kitschige Weise zusammen geführt hat, dass es selbst Rosamunde Pilcher nicht romantischer schreiben hätte können.

Michaela Stiegler

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Quelle: SN

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