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Meine Weihnachtsgeschichte

Symbolbild SN/ photo by daniel spase on unsplash
Symbolbild

Von meinem vierten bis zum sechsten Lebensjahr wuchs ich in den Bergen auf. Meine Eltern hatten in den Nachkriegsjahren des zweiten Weltkrieges eine Schutzhütte im Steinernen Meer, 2150 m hoch gelegen, gepachtet: Das Ingolstädterhaus! Wir, mein Kater Susi - es stellte sich erst nach der Namensgebung heraus, dass die vermeintliche Katze ein Kater war - und unsere Köchin verbrachten die Monate dort oben zusammen mit den Bergsteigern, die unsere Hütte in großer Zahl besuchten. Meist blieben wir je nach Witterung und Schneeverhältnisse bis in den Oktober hinein. Dann packten wir unsere sieben Sachen, die Hütte wurde winterfest gemacht und wir sahen zu, dass wir heil und zeitgerecht unsere Winterwohnung in Saalfelden erreichten.

Niemals wurden mir die Monate lang, obwohl ich selten Spielkameraden und schon gar nicht welche in meinem Alter hatte. Auch Spielsachen besaß ich kaum. Meine Eltern und unsere Köchin hatten meist wenig Zeit für mich. Aber ich besaß meine Berge, meine Blumen, meine "Schneckenzucht", unseren gutmütigen Muli Grete und vor allem aber hatte ich meinen über alles geliebten Kater. Es geschah eines Tages, kurz vor unserem geplanten Abstieg ins Tal, als mein Kater spurlos verschwand. Es war ein außergewöhnlich schöner Spätherbst damals und noch kaum Schnee gefallen, obwohl es bereits Anfang November war. Ich war verzweifelt und verbrachte meine Tage hauptsächlich mit dem Suchen nach Susi. Und wenn meine Mutter mich fragte, was ich mir denn vom Christkind wünsche, hörte die Ärmste immer wieder dieselbe Antwort: Meinen Kater möchte ich wieder haben. Ich war fest davon überzeugt, dass mir das Christkind diesen einzigen Wunsch erfüllen würde.

Unser Abstieg ins Tal verzögerte sich jedoch um Tage. Über Nacht fing es an zu schneien, so stark, dass an einen solchen gar nicht mehr zu denken war.

Wir bereiteten uns schon darauf vor, den Heiligen Abend das erste Mal und ungewollt am Ingolstädterhaus zu verbringen.

Eines Tages - es dämmerte bereits - hörten wir lautes Hundegebell und kurz darauf klopfte es kräftig an der Hüttentüre. Wer um alles in der Welt kommt denn um diese Zeit zu uns herauf, fragten wir uns.

Vor der Türe stand - einem Schneemann ähnlicher als einem menschlichen Wesen - ein uns bekannter Zöllner, der uns oft mit seinem Schäferhund auf seinen Kontrollgängen besuchte.

Die Liebe hatte Susi zu einer anderen Schutzhütte, weit entfernt von uns, getrieben, wo jedoch eine hübsche Katzendame wohnte.

Das Christkind hatte also meinen sehnlichsten Wunsch erfüllt!

So wie über Nacht der Schnee gekommen war, so rasch besserte sich das Wetter. Nun konnten wir alle doch noch die Abfahrt mit den Schiern ins Tal wagen.

Am Hl. Abend war mein Kater um mich und ich hatte den schönsten Christbaum der Welt. Mein zweiter, ganz heimlicher Wunsch, hatte sich also auch erfüllt. Einen Christbaum zu haben, denn dort oben, wo ich aufgewachsen bin, da gibt es keine Bäume.

Ingrid Langer

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Quelle: SN

Aufgerufen am 28.01.2021 um 03:25 auf https://www.sn.at/leserforum/leserspalte/salzburglove-meine-weihnachtsgeschichte-80248240

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