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Tür an Tür mit Wolfgang Amadé

 SN/photo by reiseuhu on unsplash

Ein Besuch bei Oma und Opa war immer ein Highlight, sie wohnten nämlich in Mozarts Geburtshaus. "WAS?", denkt sich jetzt der oder die Leser/-in. "Kann man dort wohnen?" Ja! Tatsächlich war meine Mama in der Getreidegasse 9 in Salzburg aufgewachsen. Ihre Eltern führten das Feinkostgeschäft Stranz & Scio im Erdgeschoß des berühmten gelben Hauses mit den schmucken Fenstern.

Stolz marschierten wir an der Touristenschlange vor dem Eingang des Museums vorbei, um uns gegen den Besucherstrom durch das Treppenhaus zu zwängen. Der Portier im zweiten Stock ließ uns das Gittertor passieren, wenn wir den Familiennamen meiner Großeltern nannten.

Die gelb getünchten Wände rochen ganz anders als zuhause. Im Innenhof, den fast alle Häuser zwischen Getreidegasse und Universitätsplatz besitzen, staunte ich über den Lastenaufzug und die Säulengänge. Der Anmarsch war schon sehr speziell, so wie die Klingelzugglocke an der Wohnungstür. Auch viele Touristen fanden sie spannend und zogen zum Vergnügen daran. Hie und da drang Klaviermusik aus den Räumen des Museums herüber und ich konnte einen Blick auf die Ausstellungsstücke der Familie Mozart erhaschen.

Bei Oma und Opa versammelte sich dann die ganze Familie in gemütlicher Atmosphäre um den großen Esstisch. Gleichzeitig wurden wir angehalten uns brav zu benehmen, denn darauf wurde Wert gelegt. Einmal gab es Ärger, wer von uns Kindern denn so wild auf der Klobrille gewackelt hätte. Ich hütete mich, einen Pieps von mir zu geben. Opa ließ die Sache zum Glück auf sich beruhen.

Auf der Kredenz stand im Advent die wunderschöne Wurzelkrippe mit den selbst genähten Stofffiguren. Die Decken waren mit Stuck verziert und auf jedem Tisch lagen handbestickte Leinendeckchen. Wenn das Gespräch der Erwachsenen langweilig wurde, zählte ich die Kästchen der roten Kreuzstichmuster.

Die Nische hinter dem weißen Kachelofen war mein allerliebstes Versteck. Im Spielzimmer, dem ehemaligen Kinderzimmer meiner Mama und ihrer Geschwister, lag ein großer gemusterter Teppich. Darauf turnten wir zu viert herum und reisten wie Aladdin ins Morgenland.

Und wie war das Übernachten in Mozarts Geburtshaus? Wir sahen den Besuchern beim Verlassen des Museums zu und blieben natürlich viel länger auf als daheim. Am Morgen konnte man durch die Fenster das Treiben auf dem Grünmarkt beobachten. Die Standln und die vielen Menschen erschienen mir bunt, fremd, laut und geschäftig. Auch die Hagenauerstuben verlockten mit duftenden Speisen.

Nur Sonntags lag der Platz verlassen und ruhig im Schatten der Kollegienkirche. Zum Frühstück verwöhnten uns Oma und Opa mit Butterkipferl von der Bäckerei Feichtner und Primina Streichbutter! Bestimmt hätte das dem kleinen Wolferl auch so gut geschmeckt!

Monika Bayerl

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