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Unbekanntes Großarltal

 SN/photo by max kobus on unsplash

Einen Tag vor Schulbeginn im September 1978 läutet bei mir zu Hause in Mattsee - ich wohne noch bei meinen Eltern - zu Mittag das Telefon. Der Direktor der Hauptschule Großarl will wissen, ob ich meinen Dienst nicht antreten möchte, da ich mich nie bei ihm gemeldet habe.

Großarl?? Meine erste Dienststelle in meinem Traumberuf als Lehrerin sollte doch in Wagrain sein? Mein Dienstvertrag liegt vor mir.

Ratlosigkeit, Unsicherheit, Enttäuschung, Wut, Tränen. Ich verstehe die Welt nicht mehr.


Großarl - liegt das nicht im gleichen Tal wie Kleinarl, dem Heimatort von Annemarie Moser-Pröll?

Ein Blick in den Atlas zeigt mir, dass ich mit dieser Annahme falsch liege. Doktor Google gibt es ja noch nicht. Schweren Herzens trete ich mit einer lieben Tante die Reise ins Ungewisse an. (Ein eigenes Auto besitze ich damals noch nicht).

Wo wohnen? Welche Klasse, welche Gegenstände unterrichten?

Die Fahrt ins Großarltal auf der engen, unübersichtlichen Straße dauert gefühlt eine Ewigkeit. Die Mautstelle bei der Alten Wacht passieren wir mit einem mulmigen Gefühl und die Kurven nehmen kein Ende.

Endlich angekommen, erwartet mich der Direktor bei sich zu Hause. Er kümmert sich um eine provisorische Unterkunft in einer Fremdenpension für mich. Das winzige Zimmer genügt meinen Ansprüchen.

Als geprüfte Volksschullehrerin erwartet mich in der Hauptschule am nächsten Tag eine große Herausforderung. Ohne jemals in diesem Schultyp praktiziert zu haben, unterrichte ich künftig Gegenstände wie Werkerziehung für Knaben, Bildnerische Erziehung, Physik, Biologie, Deutsch und Turnen.

Am ersten Schultag herrscht traumhaftes Herbstwetter, blitzblauer Himmel, strahlender Sonnenschein.

Ich verliebe mich in dieses Tal, in die Berge, in seine Bewohner, in einen ganz speziellen Hüttschlager. Heirate, baue ein Haus und bekomme drei Kinder. Ich liebe meinen Beruf und bleibe.

Bleibe nunmehr schon über vierzig Jahre und verabschiede mich als Direktorin der Volksschule Hüttschlag nun von meinem Berufsleben mit Wehmut, aber auch mit Neugierde und Freude auf meinen neuen Lebensabschnitt und gehe mit 1. Dezember 2019 in Pension.

Brigitte Rohrmoser

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