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Zwischen Rainberg und Lepi

Symbolbild SN/photo by yarne fiten on unsplash
Symbolbild

Vor etwa 60 Jahren war dort ein Paradies für die Jugend. Wir waren eine Clique von Mädels und Buben. Unsere Einfälle waren zahlreich und lustig - manchmal auch unerlaubt - aber immer so, dass wir niemanden schädigten.

Eine besonders interessante Zeit war immer die Reinigung des Almkanals, was auch den Zufluss des Lepi-Weihers betraf. Wir dachten an die armen Fische, die bei der Abfischung die verbleibenden Tümpel aufsuchten. Und Tümpel gab es mehrere. Es waren die Bombentrichter, welche bei der Bombardierung von Festung und Schloss Leopoldskron das Ziel verfehlt hatten. Der Entschluss war rasch gefasst, die vergessenen Fische in der Nacht zu "retten". Ein Grill, der mit roten Ziegeln aus dem Abriss des alten Festspielhauses gebaut wurde, war vorhanden. So stand der weiteren Verwendung des verbliebenen Fischbestandes nichts mehr im Weg.

"Gerettet" wurde allerdings nur ein riesiger Karpfen von etwa ein Meter Länge. Und es tat sich die Frage auf: Wie denselben transportieren? Schnell waren zwei Kohlensäcke beschafft und zu viert wurde das zappelnde Tier nach Hause gebracht.

Unser "Experte" sagte, dass der Karpfen mindestens zwei Tage auswässern müsste, da er sonst zu sehr moselt. Und es musste eine Badewanne sein. Die betreffende Person - einer unserer Väter - in dessen Wanne sich das Ungetüm nun tummelte - bekam einen Wutanfall. Mit der Erinnerung an seine eigene Jugend ließ er sich jedoch wieder besänftigen.

Zwei Tage später war es schließlich so weit: Es wurde beim damaligen Strasserwirt ein kleines Fässchen Bier erstanden und im 23 Grad "kühlen" Pool gelagert. Hinter einem unserer Elternhäuser wurde der Karpfen dann fachmännisch ins Jenseits befördert, abgeschuppt und für den Grill vorbereitet.

Erwartungsvoll vergrößerte sich die hungrige Meute …

Als es dann endgültig so weit war, fand der Spaß jedoch schnell ein Ende:

Der Karpfen, der sicherlich schon "zig" Jahre auf dem Buckel hatte, schmeckte abscheulich. Man hatte das Gefühl, der Mund wäre mit Moos vollgestopft!

Die "Rettung" dieser Spezies war ein absoluter Fehlschlag! Trotzdem ist es eine lustige Erinnerung, die wir uns heute noch mit Freude immer wieder erzählen.

Gerda Horner

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Quelle: SN

Aufgerufen am 22.01.2021 um 08:47 auf https://www.sn.at/leserforum/leserspalte/salzburglove-zwischen-rainberg-und-lepi-80423176

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