Osterfestspiele Salzburg

Osterfestspiele: Vorösterliches Gipfeltreffen von Weltklasse-Orchestern

Unvergleichlich unterschiedlich: Wiener Philharmoniker zu Gast bei den Osterfestspielen, wo die Dresdner heimisch sind.

Christian Thielemann dirigierte die Wiener Philharmoniker. SN/ofs/creutziger
Christian Thielemann dirigierte die Wiener Philharmoniker.

Zwei Chor-Orchesterkonzerte an einem Abend, dazu ein Gipfeltreffen zweier Weltklasse-Ensembles unmittelbar hintereinander: Dieser Luxus ist wohl nur zu einem so besonderen Anlass wie dem 50. Geburtstag der Osterfestspiele Salzburg denk- und vor allem finanzierbar. Die Musikfreunde dankten es am Montag mit einem bestens gefüllten Großen Festspielhaus.

Sie hörten aber auch - nicht nur wegen des nicht vergleichbaren Repertoires, Beethoven auf der einen, Gabriel Fauré und Camille Saint-Saens auf der anderen Seite - sehr Gegensätzliches. Zunächst ging der Chef (der Sächsischen Staatskapelle Dresden) fremd mit dem ihm "zweitliebsten" Orchester, den Wiener Philharmonikern. Sie waren einmal, ein Jahr nach Karajans Tod 1990, zu Gast bei diesem den Berliner Kollegen gehörenden Festival, aber immer wieder einmal als "Einspringer" im Gespräch, wenn die Zukunft der Unternehmung auf dem Spiel stand. Jetzt kamen sie, hoffentlich, als Freunde und stemmten ein markige, imposant hochgeschraubte, wenn man will auch schwerdeutsche Wiedergabe von Beethovens 9. Symphonie.

Orchester- und Chorkulisse (der auswendig klar singende Singverein, einstudiert von Johannes Prinz) waren also so groß aufegbaut, wie man es sich bei Monumentalereignissen im Festspielhaus gerne vorstellt, die Solisten passten exakt zusammen, weil es vier der sechs "Walküren"-Sänger waren: Anja Harteros, Christa Meyer, Peter Seiffert, Georg Zeppenfeld. Und Meister Thielemann disponierte natürlich das Geschehen nach seiner Façon: kompakt und wuchtig, majestätisch glänzend und, nun ja, in den ersten beiden Sätzen noch mit manchen Suchbewegungen. Mit dem Adagio aber kam Empfindung auf, Ruhe und Weite, Raum und Klang und manche schönen, quasi wienerischen Details. Ja, und auch die Götterfunken des Finales zündeten und machten nicht nur Krach.

Myung-Whun Chung leitete ein französisches Programm der Staatskapelle. SN/ofs/creutziger
Myung-Whun Chung leitete ein französisches Programm der Staatskapelle.

Den kennt natürlich Gabriel Faurés Requiem in seiner schlichten Verinnerlichung (das dramatische "Dies irae" interessierte den Franzosen keinen Deut) überhaupt nicht. Die feinen Lineaturen des Chorsatzes, bei maximaler Klangwirkung, müssen ganz ruhig und souverän in den Kehlen liegen, und der Chor des Bayerischen Rundfunks ist auch unter seinem neuen Leiter Howard Arman ein atemberaubendes Wunderorgan: einheitlich und höchst differenziert zugleich. Man konnte sich gar nicht satthören an diesem Wohlklang, der auf den gleichgesinnten Wohlklang der Dresdner Kapelle traf und mit den knappen Soloeinwürfen von Anna Prohaska und Adrian Eröd, luxuriös auch das, auf eigene Art harmonierte.

Am Pult wirkte der denkbar unspektakulärste Taktgeber, der Erste Gastdirigent des Orchesters, Myung-Whun Chung. Er ließ das französische Flair wirken, auch dort, wo Schwulst mehr als Ausdruck gelten mag: in Camille Saint-Saens sogenannter "Orgelsymphonie", mit der der Kompositionsmeister aller Klassen dachte, womöglich die Symphonie neu erfunden zu haben. Bekanntlich lässt sich über Geschmack trefflich streiten ...

Luxuriös exzellierte freilich auch da der Dresdner Kapellklang, feinsinnig, delikat abgeschmeckt. Und luxuriös werkte am Rande, an der gar seltsamen Festspielhausorgel, der seit einiger Zeit angesagte und ungekrönte Popkönig des Instruments, Cameron Carpenter. Er durfte sich, bescheiden lässig sich nicht in Szene setzend, einigermaßen unterfordert fühlen. Die Osterfestspiele aber ließen die Muskeln spielen.

Aufgerufen am 24.02.2018 um 05:22 auf https://www.sn.at/osterfestspiele-salzburg/osterfestspiele-voroesterliches-gipfeltreffen-von-weltklasse-orchestern-7480108

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