Kulturgespräch am 2. September

Nikolaus Bachler im Gespräch: Oper und Regie - Feinde oder Freunde?

Nikolaus Bachler ist der neue Intendant der Osterfestspiele Salzburg. Soeben hat er seine Leitung der Bayerischen Staatsoper beendet und sein Buch "Sprachen des Musiktheaters" über Opernregisseure herausgebracht. SN-Kulturressort-Leiterin Hedwig Kainberger spricht mit ihm über seine Erfahrungen und Pläne.

Salzburg. Nikolaus Bachler bleibt Intendant, doch ändert sich der Ort: von München nach Salzburg. Und es ändert sich die Dimension: vom "Staatsintendanten" der Bayerischen Staatsoper mit rund elf Monaten Spielbetrieb inklusive Münchner Opernfestspiele zum nunmehrigen Intendanten für jeweils zehn Tage Osterfestspiele Salzburg. Noch dazu teilt er sich zwei Jahre lang die Leitung der mit jeweils einer Oper und vier Orchesterkonzerten relativ kleinen Osterfestspiele mit dem Dirigenten Christian Thielemann. Dieser bleibt bis 2022 "Künstlerischer Leiter", während Nikolaus Bachler jetzt "geschäftsführender Intendant" ist; ab 2023 bekommt er die "künstlerische Gesamtleitung" hinzu.

Braucht Salzburg neben den großen Sommerfestspielen auch eigenständige Osterfestspiele? Zwei Institutionen für eine Art Festspiel? Er sei in der Kunst immer gegen Konzerne, erwidert Nikolaus Bachler im Kulturgespräch der SN-Reihe "Live & Direkt", die am Donnerstagabend gesendet worden ist. "Die Kunst lebt von der individuellen Idee und der individuellen Fantasie." Daher sei es viel lebendiger, wenn in einer Stadt "unterschiedliche Kräfte unterschiedlich arbeiten". In diesem Sinne sei es gut, "wenn jeder für sich steht" - also Salzburger Festspiele im Sommer und zu Pfingsten sowie Osterfestspiele. So wie er nie der Forderung zugestimmt habe, man sollte Wiener Staatsoper und Theater an der Wien zusammenlegen, so würden auch Salzburger Festspiele und Osterfestspiele weiterhin zeigen, "wie man das sehr vernünftig und ökonomisch machen kann".

"Letztlich geht es nicht um die Größe, sondern um die Identität", weiters um die Idee und woher diese komme, sagte Nikolaus Bachler. Er habe "immer bewundert", wie Herbert von Karajan diese Osterfestspiele "aus eigenem Antrieb" gegründet habe - nicht als staatlichen Auftrag, sondern aus eigenem Wollen. "Das hat eine Kraft." Diese Gründungsidentität - jedenfalls mit Richard Wagner, aber auch mit anderen "bestimmten Setzungen" - sollte man beachten.

Was nimmt er von München mit nach Salzburg? "Begeisterung und Neugierde", lautet seine unvermittelt spontane Antwort. Beide Eigenschaften bringt er übrigens in einem soeben erschienenen Buch zur Geltung: Interviews über Musiktheater mit fünfzehn Regisseuren, die er in München für die Oper hat gewinnen können.

Weiters bringe er aus München eine "enge, vertraute Zusammenarbeit mit vielen Künstlern" - Sängern, Dirigenten wie Regisseuren, sagt Nikolaus Bachler im SN-Gespräch. Jedoch: Für die Osterfestspiele Salzburg müsse er das im Vergleich zum "sehr breiten und ausladenden" Münchner Opernbetrieb "jetzt konzentrieren - wie wenn man etwas einkocht, jetzt kommt ein Konzentrat". Wie ist das ab 2023 zu verstehen? "Es geht darum, dass man sich auf einen Dirigenten und eine Dirigiersprache pro Jahr konzentrieren kann" - für Oper wie Orchester- und Kammerkonzert.

Wenigstens in den ersten Jahren bleibe er beim Vorhaben, ab 2023 - wenn der Vertrag mit der Staatskapelle Dresden und Christian Thielemann abgelaufen sein wird - jedes Jahr ein anderes Orchester mit anderem Dirigenten zu den Osterfestspielen Salzburg zu engagieren. Allerdings wolle er offenhalten, ob man danach wieder eine langfristige Konstellation finden könnte. "Man muss sehen, was für Konstellationen es gibt." Konkretes ab 2023 werde er Anfang 2022 kundtun.

Infolge der Pandemie mussten die Osterfestspiele 2020 ersatzlos abgesagt werden. Jene von 2021 - also die ersten unter Nikolaus Bachlers Intendanz - sind auf Ende Oktober und Allerheiligen verschoben. Wird das vom Publikum angenommen? Wie läuft der Vorverkauf? Es sei keine Verschiebung im eigentlichen Sinn, denn es werde ja keine szenische Oper aufgeführt, stellt Nikolaus Bachler klar. Die nun angesetzten "vier großen Konzerte" sollten "Zeichen und Symbol" sein, dass trotz Pandemie Osterfestspiele stattfänden. Aus derzeitiger Sicht dürfen alle Plätze im Publikum besetzt sein. "Die Nachfrage ist gut."

Allerdings sind - wie in den meisten Kulturbetrieben - beide Seiten flexibler geworden: Viele interessierte Besucher warten die Kaufentscheidung ab, zudem bieten die Osterfestspiele statt bisher fast ausschließlicher Abonnements bereits Einzelkarten an.

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