Osterfestspiele Salzburg

Wie sehr grollt Christian Thielemann?

Der Dirigent und die Staatskapelle Dresden wollen angeblich mit Freude die kommenden drei Osterfestspiele gestalten.

Thielemann und die Staatskapelle Dresden wollen ihren Vertrag erfüllen. SN/APA/BARBARA GINDL
Thielemann und die Staatskapelle Dresden wollen ihren Vertrag erfüllen.

Der Mittwoch verlief mit unruhigem Warten auf eine etwaige Reaktion von Christian Thielemann und der Staatskapelle Dresden auf die am Vortag getroffene Entscheidung der Gesellschafter der Osterfestspiele Salzburg, die Verträge der beiden nach 2022 nicht mehr zu verlängern, also de facto zu kündigen. Einige Branchenkenner befürchteten sogar, Christian Thielemann könnte sofort alle weiteren Auftritte in Salzburg absagen.

Doch aus dessen Umfeld wurde im Laufe des Tages mehrfach den SN versichert: Die Sächsische Staatskapelle und ihr Chefdirigent seien solidarisch und würden ihren Salzburger Vertrag erfüllen. Trotz der Enttäuschung über das nun fixierte Ende werde man die kommenden drei Osterfestspiele Salzburg ohne Groll, sondern mit Lust und Freude gestalten, auf dass aus dem 2013 begonnenen gemeinsamen Engagement "zehn großartige Jahre" würden.

Einige Beobachter vermittelten so etwas wie Erleichterung: Das Zusammenspiel von Nikolaus Bachler und Christian Thielemann wäre sowieso nicht gelungen. Denn der jetzige Intendant der Münchner Oper sei gegen den ausdrücklichen Willen Thielemanns zum künftigen Intendant der Osterfestspiele Salzburg berufen worden. Mit solchem Widerspruch sei eine friktionsfreie Zusammenarbeit von Thielemann als Künstlerischem Leiter und Bachler als Intendanten mit Gesamtverantwortung kaum vorstellbar. Besser also ein Ende mit Bauchweh.

Während von der Staatskapelle Dresden die Anfrage um Stellungnahme unbeantwortet blieb, meldete sich am späten Nachmittag der jetzige, demnächst scheidende Intendant der Osterfestspiele Salzburg, Peter Ruzicka, mit einer ebenso zuversichtlichen wie kritischen Erklärung. "Wir sind zuversichtlich, dass unsere Gäste die einzigartige Osterzeit in Salzburg mit Christian Thielemann und der Staatskapelle Dresden auch in den verbliebenen drei gemeinsamen Festspielsaisonen schätzen werden", teilte Peter Ruzicka mit. Zudem sei aber bedauerlich, "dass ein erfolgreiches Festivalmodell in dieser Art und Weise beendet wird". Und es sei befremdlich, wie man in Salzburg "mit einem der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit und einem Spitzenorchester umgeht". Erst sechs Jahre sei es her, nämlich 2013, dass beide noch als "Retter der Osterfestspiele" gefeiert worden seien.

Als geschäftsführender Intendant setzte sich Peter Ruzicka auch gegen "in jüngster Zeit gefallene Behauptungen" zur Wehr, die Osterfestspiele Salzburg seien in einem "angeblich wirtschaftlich ungünstigen Zustand". Wie berichtet hatte Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) im Pressegespräch am Mittwoch die mangelnde Auslastung sowie zu geringe Sponsoreinnahmen moniert.

Dem hält Peter Ruzicka entgegen: Das ökonomische Fundament der Osterfestspiele Salzburg sei nach wie vor stabil. "Entsprechend wurden sämtliche Budgets und Jahresbilanzen der letzten Jahre durch die Aufsichtsorgane uneingeschränkt genehmigt." Seit Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle Dresden ihr Engagement in Salzburg angetreten hätten, habe die Eigenfinanzierungsquote 85 bis 92 Prozent erreicht. Dies ergebe eine "vergleichsweise geringe Subventionsquote", zum Beispiel für das Jahr 2018 lediglich 15 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Eigeneinnahmen entfalle auf den Kartenverkauf, 2018 seien es 55 Prozent gewesen. Die Sitzplätze im Großen Festspielhaus seien in den letzten Jahren zu über 90 Prozent ausgelastet gewesen. Zudem hält Ruzicka fest, dass die mit einer Million Euro pro Jahr zugesagte Ausfallshaftung von Stadt, Land und Tourismusfonds von 2012 bis 2018 "in keinem einzigen Jahr in voller Höhe in Anspruch genommen" worden sei, sondern im Durchschnitt zu 57 Prozent.

Und: "Die Osterfestspiele erbringen nach wie vor eine Umwegrentabilität von 15 bis 20 Millionen Euro pro Saison in die Region Salzburg."

Den Vorwurf zum Sponsoring lässt Peter Ruzicka nicht auf sich sitzen: "Neben dem langjährigen Hauptsponsor Volkswagen AG" habe er einige Projektsponsoren "mit teils sechsstelligen Zuwendungen" akquiriert, darunter etwa 200.000 Euro für die Opernproduktion 2021, also für "Turandot".

Wie berichtet plant Nikolaus Bachler laut seiner Ankündigung vom Dienstag, jedes Jahr ein anderes Orchester mit jeweils anderem Dirigenten zu Ostern einzuladen. Wer könnten die Ersten sein? Darüber kursieren nur vage Gerüchte: Gemunkelt wird über das Gewandhausorchester Leipzig oder das Orchestra dell'Accademia di Santa Cecilia aus Rom mit Antonio Pappano.

Aufgerufen am 05.12.2020 um 01:09 auf https://www.sn.at/osterfestspiele-salzburg/wie-sehr-grollt-christian-thielemann-76847800

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