Auto

Der Champion aus dem Rollstuhl

Mission possible. Gustav Engljähringer ist querschnittgelähmt und fährt nicht nur in seinem Rollstuhl, sondern auch im historischen Tourenwagen. Er wurde mit geschickten Händen Meister.



Als der nach seinem fürchterlichen Indycar-Unfall auf dem Lausitzring (2001) querschnittgelähmte Alessandro Zanardi in einem umgebauten BMW in der Tourenwagen-WM Laufsieger wurde, applaudierte fast die gesamte Motorsportwelt dem stets humorvollen, beliebten Bologneser. Nun hat Zanardi einen "Nachahmer" in Österreich gefunden: Mit dem Frankenburger Gustl Engljähringer wurde erstmals ein querschnittgelähmter Fahrer Meister einer Rennsportklasse. Der Oberösterreicher gewann mit einem auf Handbetrieb umgebauten Ex-Lechner-Jaguar aus der früheren V8-Star-Serie die Wertung der Young Timer im heimischen Histo-Cup, der populärsten Serie für historische Tourenwagen.

"Wir nennen unser Projekt Mission Possible Racing, weil wir zeigen wollen, dass eine Behinderung kein Grund ist, nicht Motorsport auszuüben", erklärt der Transportunternehmer, der selbst in modifizierten Lkw am Steuer sitzt (wenn er von der Büroarbeit abkömmlich ist).

Die Saison lief hervorragend für den 41-Jährigen, die mit zwei Klassensiegen auf dem Red Bull Ring begann. In den folgenden Rennen in Brünn, Hockenheim, Budapest, auf dem Slovakia- und Salzburgring war er nie schlechter als auf Rang zwei in seiner Klasse platziert, was ihm den vorzeitigen Sieg in der Meisterschaft (Klasse über 4000 ccm) einbrachte. Auch in der Gesamtwertung lag Engljähringer nach dem Finale in Monza Ende September, bei dem er zwei weitere Klassensiege feierte, voran.

"Gustavs Leistung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden", bestätigt Histo-Cup-Gründer Michael Steffny, "wie er mit dem Handballen über Spezialinstrumente sein Auto unter Kontrolle hält und mit den anderen Rad an Rad kämpft, ist beeindruckend."

Engljähringer verfolgt nun ein neues Projekt, das die Möglichkeiten für Behinderte auch im Rennsport verdeutlichen soll: Mit vier weiteren querschnittgelähmten Piloten aus verschiedenen Ländern wird er das 24-Stunden-Rennen in Dubai Anfang Jänner bestreiten, "wenn wir noch Sponsoren finden". Es wäre das erste Mal, dass ein rein aus Rollstuhlfahrern zusammengesetztes Team ein 24-Stunden-Rennen bestreitet.
www.missionpossibleracing.com

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