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Ein Casanova für die Straße

Der Maserati Ghibli zieht die Blicke auf sich. Die 275 PS starke Italo-Limousine wildert im Revier von 5er-BMW und Mercedes E-Klasse - erstmals als Diesel.

Ein Casanova für die Straße SN/sn
Diese sportive italienische Diva tritt tatsächlich diesel-motorisiert auf – und kann damit voll überzeugen.


Allein der Name ist schon ein Statement. M. A. S. E. R. A. T. I. Was wohl das Auto zu bieten hat? Eine Woche lang haben wir den Maserati Ghibli getestet - und schnell war klar: Was wir hier fahren, ist ein Casanova für die Straße. Ein Auto, das die Blicke auf sich zieht. Eingefleischten Maserati-Fans muss beim Namen Ghibli warm ums Herz werden. Die erste Generation aus dem Jahr 1966 war ein bildschönes Fließheck-Coupé. In den 1990er-Jahren konnte die zweite Generation nicht ganz mithalten mit dem Kult-Ghibli, weltweit wurden nur etwas mehr als 2000 Fahrzeuge verkauft. Aber jetzt ist der "heiße Wüstenwind" (im arabischen: "Ghibli") wieder da. Und dieser Wagen ist für die Italiener ein enorm wichtiger Baustein, um das ambitionierte Verkaufsziel von 50.000 Maseratis im Jahr 2015 zu erreichen.

Seit Mitte 2013 ist der neue Ghibli auf dem Markt. Er ist der 29 Zentimeter kürzere und 100 Kilogramm leichtere Bruder des Quattroporte und wildert im Revier von 5er-BMW und Mercedes E-Klasse. Um dort bestehen zu können, gibt es ein geradezu revolutionäres Novum in der 100-jährigen Geschichte der italienischen Nobelmarke. Der Ghibli ist der erste Maserati, in dem ein Dieselmotor zum Einsatz kommt. Seine Kennzahlen: drei Liter Hubraum, 275 PS, 600 Newtonmeter und rund 65.000 Euro teuer. Äußerlich, das hatten wir schon, ist Maserati ein großer Wurf gelungen. Es findet sich kaum eine Rundung, kaum eine Kante, die nicht perfekt zum elegant-sportlichen Auftritt der Marke passt.

Und auch die inneren Werte stimmen. Gebettet in feines Leder residiert es sich vorzüglich im Ghibli. Wer ein zweckmäßiges Cockpit mag, findet alles dort, wo es hingehört. Die Materialien sind edel verarbeitet, da gibt es nichts auszusetzen. Ein riesiger Touchscreen prangt in der Mittelkonsole. Die Sitze sind bequem und geben guten Seitenhalt.

Und der Motor? Ein Diesel in einem Maserati? Der 275-PS-Sechszylinder lässt sich seinen Selbstzünder nicht anmerken. So genannte Soundmodulatoren, die zwischen den vier Endrohren sitzen, verleihen dem Diesel-Ghibli einen herausragenden Klang. Diese akustische Blenderei ist allerdings keine rein italienische Erfindung, Audi und BMW greifen auf ähnliche Weise helfend ein. Aber ist der Ghibli auch in Sachen Fahrkomfort der Konkurrenz gewachsen? Es wäre ja fast zu schön gewesen, um wahr zu sein. Unebenheiten im Asphalt können die rassige Schönheit aus Modena nämlich ziemlich durchrütteln. Das wirkt sich im "Sport"-Modus freilich etwas heftiger aus. Sinnvoller ist da die Betätigung der "ICE"-Taste. Dann stellt sich der Maserati Ghibli auf Effizienz ein, meidet Drehzahlen über 2500 Touren. Die Abkürzung steht nicht für den Hochgeschwindigkeitszug, ICE bedeutet hier "Increased Control and Efficiency". Im "Sport"-Modus hingegen geht es deutlich forscher zur Sache, die Automatik dreht die Gänge bis in den Begrenzer und das Fahrwerk wird härter. Schade nur, dass die breiten Reifen den Längsrillen im Asphalt ständig nachlaufen.

Aber wen kümmert das schon, wenn man in einem Maserati sitzt.

Aufgerufen am 15.07.2018 um 09:15 auf https://www.sn.at/panorama/auto/ein-casanova-fuer-die-strasse-2913490

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