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Heimlicher Gewinner der Diesel-Misere: die Hybrid-Technologie

Ein Dieselauto kaufen? Angesichts der Debatte um den Selbstzünder dürfte mancher Konsument bei dieser Frage ins Grübeln kommen. Hybridautos hingegen gelten als umweltfreundlich - und werden nun beim Autosalon in Genf beworben.

Mit der Kombination aus fossilem Treibstoff und mit elektrischem Strom auf der Überholspur – Hybridautos.  SN/Christian Sprenger
Mit der Kombination aus fossilem Treibstoff und mit elektrischem Strom auf der Überholspur – Hybridautos.

Die Wachstumsrate ist enorm, das Ausgangsniveau allerdings war bescheiden: In Österreich stieg die Zahl der Fahrzeuge mit alternativen Antriebssystemen im Schlussquartal des Vorjahres sehr kräftig von 1.603 auf 2.447. Das entspricht einem Plus von 53 Prozent.

Im Gesamtjahr 2016 gab es ebenfalls ein Plus von 53 Prozent auf 9.028 Wagen. Mehr als ein Drittel waren Hybridfahrzeuge.

Gemessen an den Pkw-Gesamtzulassungen (329.604 Autos im Jahr 2016) ist der Anteil von Autos mit alternativen Antrieben in Österreich noch gering, er liegt bei 2,7 Prozent.

Norwegen: Kaum Steuern auf Elektroautos

Doch der Anfang ist gemacht. Als Vorreiter gilt Norwegen. Die Hälfte aller in dem skandinavischen Land zugelassenen Neuwagen seit Jahresbeginn waren Elektro- oder Hybridfahrzeuge.

Dabei ist Norwegen der größte Ölproduzent Westeuropas, gewährt aber massive steuerliche Anreize für den Kauf von umweltfreundlichen Elektroautos.

Während Fahrer von Wagen mit Verbrennungsmotoren mit deftigen Abgaben belegt werden, sind Elektroautos nahezu komplett von Steuern befreit. Wer am Steuer eines Elektrowagens sitzt, profitiert zudem von weiteren Begünstigungen wie der kostenlosen Nutzung von Mautstraßen, Fähren, Parkplätzen oder der Erlaubnis zum Fahren auf Busspuren

Das 100.000. Elektroauto in dem skandinavischen Land wurde im Dezember angemeldet. Im Jänner betrug der Anteil der Elektroautos an den Neuanmeldungen knapp 18 Prozent, Hybrid-Wagen machten fast 34 Prozent aus.

Auch in Deutschland steigt die Nachfrage

Und wie sieht die Lage in Europas wichtigstem Automarkt in Europa aus, nämlich in Deutschland?
Binnen weniger Jahre ist die Nachfrage nach Hybridautos in Deutschland deutlich gestiegen. Lag ihr Anteil an neu zugelassenen Autos 2015 dort nur bei 0,9 Prozent, so sind es inzwischen immerhin schon 1,9 Prozent - der Wert hat sich also mehr als verdoppelt.

Das geht aus Zahlen des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen hervor. Der rasante Anstieg werde weitergehen, ist sich dessen Chef Ferdinand Dudenhöffer sicher. Beim Autosalon in Genf, der am offiziell 9. März beginnt, werden Hybridautos ein großes Thema sein.

Ein Gewinner des VW-Abgasskandals

Hybride sind aus Dudenhöffers Sicht ein Gewinner des Abgasskandals. "Ohne Dieselgate würde der Hybrid vor sich hinschlummern", sagt der Professor. Die Logik dahinter: Die Nachfrage nach Dieselautos werde sinken - und so dürften auch Autobauer verstärkt Hybride als Alternativen anbieten.

"Hybride werden schneller steigen und den Ausstieg aus dem Diesel begleiten", so Dudenhöffer.

Die Autos mit Benzin-Verbrennungsmotor und einem Elektroantrieb an Bord gelten in der ganzen Branche als wichtige Brückentechnologie hin zur Elektromobilität. "Die Autokonzerne können ihren Kunden die Vorteile der Elektromobilität aufzeigen, zugleich aber weiter die gewohnte Verbrennungstechnologie nutzen", sagt Peter Fuß vom Beratungsunternehmen EY. Der Verkauf dieser Autos helfe den Konzernen zudem, ihren Flottenausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid (Co2) zu senken und dadurch EU-Vorgaben zu erfüllen - ein enorm wichtiger Faktor für die Firmen, so Fuß.

Aus Verbrauchersicht machten Hybride vor allem bei häufigen Stadtfahrten Sinn, wenn viel Bremskraft in Energie umgewandelt wird. Im Vergleich zu reinen Elektroautos sei es zudem positiv, dass man nicht auf die noch spärlich vorhandenen Stromladesäulen angewiesen ist, erläutert Fuß.

 Der Porsche Turbo S E-Hybrid: Dabei wird der Vierliter-V8-Motor aus dem Panamera Turbo mit einem Elektromotor kombiniert. Das Ergebnis ist eine Systemleistung von 500 kW/680 PS; V-max: 310 km/h. SN/porsche
Der Porsche Turbo S E-Hybrid: Dabei wird der Vierliter-V8-Motor aus dem Panamera Turbo mit einem Elektromotor kombiniert. Das Ergebnis ist eine Systemleistung von 500 kW/680 PS; V-max: 310 km/h.

Zu den Autobauern, die inzwischen stärker auf die Hybridtechnologie setzen, gehört Porsche. Die VW-Tochter stellt beim Genfer Branchentreff die Limousine Panamera in einer neuen Hybridversion vor. Porsche-Chef Oliver Blume spricht von einem "klaren Bekenntnis zur Elektromobilität".

Oder geschieht das nur auf Druck des Gesetzgebers? "Natürlich helfen uns Hybridautos bei der Erfüllung gesetzgeberischer Vorgaben zum CO2-Flottenausstoß", sagt Blume. "Aber unsere Triebfeder ist eine andere: Diese Technologie ist nachhaltig und umweltschonend, zugleich ermöglicht sie eine sehr sportliche Fahrweise mit Zusatzbeschleunigung dank E-Antrieb."

Allzu große Meriten hat Porsche bisher noch nicht bei der Technologie - 2016 war nur etwa jeder 200. Porsche auf deutschen Straßen eine Hybridversion (0,5 Prozent).

Damit ist der Stuttgarter Sport- und Geländewagenbauer im Vergleich zu anderen deutschen Herstellern keineswegs hinten dran - 165.405 Hybridautos waren Anfang 2017 laut Kraftfahrtbundesamt in Deutschland zugelassen, was einem Anteil von 0,36 Prozent des Pkw-Bestandes entspricht. Zum Vergleich: Der Anteil von reinen Elektroautos liegt nur bei 0,07 Prozent (34.000 Fahrzeuge).

Toyota dominiert die Branche

Mit großem Abstand Marktführer ist Toyota - der japanische Konzern setzt im Gegensatz zu deutschen Wettbewerbern schon seit Jahrzehnten auf die Hybridtechnologie. Sehr präsent auch auf österreichischen Straßen sind Toyota-Prius-Taxis - meistens handelt es sich hierbei um normale Hybride, bei denen sich der E-Motor bei Bremsvorgängen auflädt. Die Elektroreichweite liegt hier nur bei drei Kilometern. Bei sogenannten Plug-Ins, also Fahrzeugen mit Stromaufladung per externem Kabel, sind es etwa 50 Kilometer.

Dass es beim Verkauf von Hybridautos in Deutschland zuletzt deutlich aufwärts ging, lag auch an der staatlichen Kaufprämie von 3000 Euro pro Plug-In-Auto. Sie gelten als Elektrofahrzeug und spielen damit eine Rolle beim Ziel der Bundesregierung, 2020 eine Million Elektro-Autos auf deutschen Straßen zu haben. Laut Kraftfahrtbundesamt stieg der Hybridbestand in Deutschland 2016 um gut ein Viertel (26,8 Prozent).

E-Autos überholen Hybride ab 2025

Auch andere Experten bescheinigen der Technologie eine gute Zukunft. "Bislang waren deutsche Hersteller eher in der Dieselentwicklung aktiv und konnten dort erhebliches Know-How ansammeln", sagt der Leiter des ADAC-Technikzentrums, Reinhard Kolke. "Mittelfristig wird es aber sicherlich mehr Hybrid-Fahrzeuge als Übergangstechnologie geben." In ADAC-Tests schnitten Hybrid-Modelle sehr gut ab. Und Unternehmensberater Fuß sagt: "Die Dieseldiskussion wird den Hybridverkauf sicherlich ankurbeln."

Er attestiert Daimler, VW und BMW eine deutlich gestiegene Investitionsbereitschaft für Elektroantriebe und damit auch für Hybridfahrzeuge. "Das ist keineswegs nur ein grünes Feigenblatt, sondern ein immer wichtigerer Geschäftszweig", sagt der Berater. "Die deutschen Autobauer holen sukzessive auf - wenngleich Toyota angesichts einer 20-jährigen Hybrid-Erfahrung natürlich länger am Markt präsent ist."

Kritisch sieht Fuß allerdings, dass die aufwendige Technik manch Fahrzeug um etwa zehn Prozent schwerer und damit auch den Benzinverbrauch erhöhe.

Und wie lang geht die hybride Aufholjagd noch weiter? Noch einige Jahre - doch das Ende sei absehbar, meint Professor Dudenhöffer. "Um das Jahr 2025 wird der Hybrid seinen Höhepunkt überschritten haben - dann werden die richtigen Elektroautos dominieren."

Aufgerufen am 21.06.2018 um 02:51 auf https://www.sn.at/panorama/auto/heimlicher-gewinner-der-diesel-misere-diehybrid-technologie-274681

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