Offenbarung in Genf?

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Standpunkt Gerhard Kuntschik

Es war (zufällig?) punktgenau zur Eröffnung der weltgrößten Automobilmesse, der IAA im September 2015, als der Dieselskandal von VW "ausbrach".

Und fast zeitgleich mit dem ersten wichtigen europäischen Autotreff dieses Jahres, dem Genfer Salon ab nächster Woche, kommt das Urteil des deutschen Verwaltungsgerichts, das regional verhängte Fahrverbote für Dieselfahrzeuge für zulässig erklärt.

Unabhängig von den zahlreichen Folgen der Umsetzung von Fahrverboten (De-facto- und De-iure-Enteignung der Besitzer von Dieselfahrzeugen mit Emissionsstufe Euro 5 oder älter, praktische Unkontrollierbarkeit dieser Verbote, zu erwartende "unendliche" Eingaben um Ausnahmeregelungen, kein Lenkungseffekt für Umstieg auf Öffis etc.) wird es für die Autohersteller immer enger: Einerseits brauchen alle weiter Dieselantriebe, um die von der EU vorgegebenen CO2-Ziele zu erreichen, andrerseits klappt die Kostenfalle auf: Sowohl Hardware-Nachrüstung alter Aggregate als auch effizienteste Abgasreinigung neuer Diesel gehen ziemlich massiv ins Geld.

Und wenn ein Hersteller ganz plötzlich durchblicken lässt, in einigen Jahren keinen Diesel mehr im Portfolio zu haben, ist das nicht eine grün angehauchte Kehrtwende, sondern ausschließlich das Eingeständnis, kein Geld mehr in teure Abgasnachbehandlung bei Diesel stecken zu wollen (nicht wahr, Signore M.?).

Jedenfalls wird höchst interessant, welche Strategien die Bosse nächste Woche in Genf verkünden werden. Oder ob sie schweigend die ersten Salontage samt deren Medienansturm aussitzen werden. Die tollen neuen Auto-Premieren rücken da wohl eher in den Hintergrund.

Aufgerufen am 22.06.2018 um 12:53 auf https://www.sn.at/panorama/auto/offenbarung-in-genf-24897823

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