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Es muss nicht immer Jus sein

Mehr als die Hälfte der Studierenden hat sich für eines der 20 beliebtesten Fächer entschieden. Deshalb sind die Hörsäle häufig überfüllt. Dabei bieten die heimischen Hochschulen Jahr für Jahr mehr Studien an. Manche davon sind wahrlich einzigartig.

Es muss nicht immer Jus sein SN/peshkov - Fotolia
Mit einem einzigartigem Studium durchstarten.

Veronika Racher ist es gewohnt, Exotin zu sein. Das war sie schon, als sie vor drei Jahren ihr Bachelorstudium begonnen hat. Allzu viele Frauen gibt es an der Uni Salzburg bis heute nicht, die sich nach der Matura an die wissenschaftliche Mathematik herantrauen. Aktuell sind es 54. Im neuen Masterstudium "Data Science", das die 21-jährige gebürtige Oberösterreicherin nun anhängt, werden es noch weniger sein. Denn mit ihr fangen im Herbst insgesamt gerade einmal zwölf Studierende an. Racher sagt, sie wundere sich darüber, dass es so einen Studiengang bisher in Österreich nicht gegeben habe. "Überlegen Sie, wie viele Milliarden Datenspuren wir täglich hinterlassen", sagt sie.

Sie zu erheben, auszuwerten, zu interpretieren und - auch Laien - plausibel zu erklären, dazu sollen die ausgebildeten Datenwissenschafter nach vier Semestern Studium in der Lage sein. Deshalb stehen nicht nur Mathematik und Statistik auf dem Studienplan, sondern auch rechtliche und kommunikationswissenschaftliche Grundlagen. Studiengangsleiter Arne Bathke erzählt, dass er vor Kurzem nach Wien gereist sei, um den Studiengang vorzustellen. "Dabei haben schon viele Firmen ihr Interesse daran angemeldet", betont er. Deshalb rechne er auch künftig mit noch mehr Studienanfängern. "Massenstudium werden wir aber sicher keines. Mehr als 20 können wir nicht aufnehmen. Dazu sind unsere Anforderungen zu hoch", sagt er.

Das sind äußerst wenige, verglichen mit den Hundertschaften, die üblicherweise in Hörsäle zu Vorlesungen in Jus, Psychologie oder Kommunikationswissenschaft drängen. Das Wissenschaftsministerium bemüht sich seit Jahren mit Aufklärungskampagnen und Initiativen, angehende Studierende zu motivieren, auch weniger stark nachgefragte Fächer zu inskribieren. Bisher mit mäßigem Erfolg. Im Vorjahr lag der Anteil der Studierenden, die die 20 meistbelegten Studienrichtungen gewählt hatten, bei knapp 56 Prozent. Dabei steigt das Studienangebot an heimischen Hochschulen Jahr für Jahr. Heuer kommen rund 350 neue dazu. Damit steigt ihre Zahl allein an den Universitäten auf 1091.

Data Science an der Uni Salzburg ist einer dieser Neuzugänge, Religious Studies ein anderer. "Mit diesem Studium sollen Absolventen befähigt werden, alles, was in den Medien über Religionen berichtet wird, eigenständig zu beurteilen", sagt die Theologin Anne Koch, die den neuen Studiengang konzipiert hat. Und führt als Beispiele die Kopftuchdebatte oder Kultfilme wie "Star Wars" an. Dementsprechend bunt sei die Zusammensetzung der 20 Studienanfänger, die ab Oktober mit diesem Master begännen. Neben jungen Bachelorabsolventen in Politikwissenschaft, Psychologie oder Soziologie sind laut Koch auch ein wenig ältere Damen und Herren darunter, die längst im Berufsleben stehen. "Ich habe eine Personalerin darunter oder einen Trainer, der an einer Ayurveda-Klinik arbeitet. Sie sind zwischen 40 und 50 Jahre alt", erzählt sie.

Dagegen richtet sich das neue Masterstudium "Smart Buildings in Smart Cities" an der FH Salzburg vorrangig an Absolventen des hauseigenen "Smart Building"-Bachelorstudiums oder an Absolventen in einem verwandten ingenieurwissenschaftlichen Fach. Ziel des Lehrgangs ist laut Leiter Thomas Reiter, Expertinnen und Experten heranzubilden, die bei der Realisierung von nachhaltigen CO2-neutralen und digital vernetzten Stadtteilen mitwirken können. Zum Beispiel bei der "Smart City Initiative", die gerade in der Burgfriedsiedlung in Hallein umgesetzt wird.

Um Nachhaltigkeit geht es auch beim Bachelorstudium "Nachhaltiges Ressourcenmanagement, der eben an der FH Campus Wien startete. Allerdings stehen dabei die Verpackungsindustrie und die Abfallwirtschaft im Zentrum. "Unsere Absolventen sollen in der Lage sein, den gesamten Kreislauf eines Produkts - also von der Produktentwicklung über die Verpackung bis hin zur Entsorgung - begleiten zu können", sagt Studiengangsleiter Manfred Tacker.

Einen ganz anderen Schwerpunkt setzt das Masterstudium "Mensch-Tier-Beziehung", das die Veterinärmedizinische Universität seit dem Jahr 2012 gemeinsam mit der Medizinischen Uni Wien und der Uni Wien anbietet. Dabei erlernen die 15 bis 20 Studierenden innerhalb von vier Semestern die ethischen, rechtlichen, biologischen und medizinischen Grundlagen rund um Tierhaltung und Verhaltensbiologie. Ihre Berufsaussichten sind mannigfaltig: Absolventen sind beispielsweise gefragt für Leitungsfunktionen in Zoos, Zoofachhandlungen, Tierheimen, Tierversuchs- und Tierzuchteinrichtungen. Sie können aber auch für Behörden, Kommissionen oder für Unternehmen arbeiten, die tierische Produkte anbieten.

Ein Studium für Astronauten gibt es in Österreich keines - wohl aber eines für Weltraumingenieure. Seit 2012 kann man "Aerospace Engineering" an der FH Wiener Neustadt studieren. Das Besondere dabei: Die Studierenden können bei Projekten für die europäische Weltraumorganisation ESA direkt mitarbeiten. "Aktuell untersuchen
wir beispielsweise für die ESA, ob man Satellitenbauteile auch mit dem 3D-Drucker herstellen kann", sagt Studiengangsleiter Carsten Scharlemann. Leicht sei das Studium mit seinen vielen mechanischen und thermodynamischen Berechnungen garantiert nicht. Dafür blühen Absolventen die besten Jobchancen, wie Scharlemann von den vergangenen Jahrgängen weiß. Sie arbeiteten nicht nur in der Luft- und Raumfahrt, sondern auch für Flugzeug- und Autohersteller, für Wasserkraftwerke oder in der Robotertechnik. Scharlemann bedaure nur, dass der Frauenanteil wie bei vielen technischen Studienrichtungen so niedrig sei. "Aktuell haben vier zwei bis vier Studentinnen pro Jahr."

Aufgerufen am 20.09.2018 um 12:33 auf https://www.sn.at/panorama/es-muss-nicht-immer-jus-sein-1037494

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