Fasten ist für die Seele wichtiger als für den Körper

Der körperliche Effekt einer Fastenkur ist schnell verpufft, wenn im Alltag wieder alles beim Alten bleibt.

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Panorama Josef Bruckmoser

Kennen Sie das auch? Man kommt am Abend spät nach Hause, hat seit Mittag nichts gegessen, nimmt sich aber trotzdem vor, nur mehr eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. Aber wie es richtig heißt, kommt mit dem Essen der Appetit, man wird vom Heißhunger überwältigt und am Ende war es wieder zu viel.

Diese Erfahrung bestätigt zwei Grundsätze, die in Hinblick auf das Thema Fasten am wenigsten umstritten sind. Zum einen: Der Körper weiß selbst sehr genau, wie viel ihm guttut und wann das rechte Maß voll ist. Diese Rückmeldung ist eindeutig und nicht zu überhören. Man vermag ihr aber oft nicht zu folgen. Zum Zweiten: Alle seriösen Ratgeber über gesundes Essen betonen, dass es am besten ist, jede Mahlzeit mit einem kleinen Hunger zu beenden.

Die beste "Fastenkur" wäre also, jeden Tag bewusst den eigenen Körper wahrzunehmen und auf seine Botschaften zu hören. Weil das so schwierig ist, versuchen wir uns hin und wieder mit einer Fastenwoche von der übertriebenen Essenslust zu emanzipieren. Wohlüberlegte Anleitungen dafür gibt es viele, wobei hier ausdrücklich keine Diät gemeint ist, es sei denn, sie ist streng medizinisch indiziert.

Ein Zweifaches ist zu bedenken. Erstens von den vielen Fastenangeboten das passende für sich zu finden. Zweitens sollte man sich dabei in gute Begleitung begeben. Man kann auch beim Fasten übertreiben, bis hin zu körperlichen Schäden. Dagegen hilft der sachgerechte und wohlwollende Blick von außen.

Dennoch ist der rein körperliche Effekt einer solchen Fastenkur oft nicht nachhaltig. Wichtiger erscheint die Wirkung, die Fasten für die Seele hat. Sich aus dem Alltagsstress herauszunehmen und einmal schlicht und einfach "out" zu sein ist wie Urlaub für die Seele und wohl die wichtigste Prophylaxe gegen das Burn-out. Zeitgenossen, die es mit Handy-Fasten probiert haben, wissen, wie schwierig es ist, sich auch nur vorübergehend von der geschäftigen Betriebsamkeit unserer Welt abzumelden. Nicht von ungefähr hat Papst Franziskus unlängst den Tipp gegeben, wenigstens beim Essen, sobald man zu Tisch sitzt, das Handy auszuschalten und wegzulegen.

Vielleicht wäre das der beste Vorsatz für die 40-tägige Fastenzeit: Genau dort, wo mich der Heißhunger am meisten packt, immer kurz vor dem Überfluss und Überdruss Stopp zu sagen und mit dem kleinen Hunger aufzuhören. Das kann das Abendessen sein oder das Handy, das kann der Alkohol sein oder das Süße. Diese kleinen Fastenimpulse im Alltag tun dem Körper gut und sind Balsam für die Seele.

Aufgerufen am 25.11.2017 um 06:38 auf https://www.sn.at/panorama/fasten-ist-fuer-die-seele-wichtiger-als-fuer-den-koerper-14452

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