Gesundheit

Hüpfen für die Fitness: Seilspringen liegt wieder im Trend

Hinkelkästchen, Gummitwist und Seilspringen beschwören Bilder aus der Kindheit herauf. Seilspringen macht derzeit als Rope Skipping noch einmal richtig Karriere. Im Verein kann man es bis zur Weltmeisterschaft schaffen. Aber auch das Hüpfen für den Hausgebrauch hält fit.

Während des Trainings wird an Geschwindigkeit und Koordination gearbeitet SN/APA (dpa/gms/Alexander Heinl)/Al
Während des Trainings wird an Geschwindigkeit und Koordination gearbeitet

"Spring mit - bleib fit!", singt schon Kermit, der Frosch, im Sesamstraßen-Klassiker "Do-hop". Und er hat Recht: Wie jeder Ausdauersport wirkt sich Seilspringen - mittlerweile gern als Rope Skipping bezeichnet - positiv auf das Herz-Kreislaufsystem aus, sagt die Fitnessexpertin Elisabeth Graser. "Auch die Arm-Bein-Koordination, Gleichgewicht und Konzentration werden gefördert." Und es stärkt natürlich die Muskeln im Rumpf, den Beinen und im Gesäß.

Dazu macht Seilspringen richtig Spaß, sagt Hanno Kramer, bei einem Sportverein verantwortlich für die Abteilung Rope Skipping. Seilspringen, sagt er, sei sehr facettenreich: "Es gibt so wahnsinnig viele Möglichkeiten des Gestaltens, man kann richtig kreativ sein." Gute Gründe also, mit dem Hüpfen zu beginnen. Doch wie bei allen Sportarten kommt es darauf an, wer sie betreibt. "Übergewicht oder Fehlstellungen sind Kontraindikationen, wo das Springen aufgrund der erhöhten Gelenkbelastung kritisch werden kann", warnt Elisabeth Graser.

Wer die Sache mit dem Sport seit der Schule etwas hat schleifen lassen, sollte sich lieber ärztlich durchchecken lassen, bevor er mit einer so intensiven Sportart beginnt. Anfänger starten ohnehin am besten langsam: etwa zwei- bis dreimal die Woche fünf Minuten sind laut Graser sinnvoll. Wer einigermaßen fit ist, kann dagegen problemlos mit Rope Skipping anfangen.

Die Grundausstattung ist überschaubar: Die Gesundheitsexpertin empfiehlt gute Sportschuhe, am besten mit Ballenfederung. "Wir benutzen meist die Sportschuhe von den Läufern, die haben eine sehr weiche Dämpfung", sagt Achim Toscani, Experte für Rope Skipping. Für Einsteiger empfiehlt sich ein PVC-Seil, das in den Griffen drehbar ist.

Nicht zu vergessen: die richtige Musik. Stücke mit 130 bis 140 Beats pro Minute (bpm) eignen sich für Fortgeschrittene. Zu Beginn reichen auch 110 bpm. Wer seit seiner Kindheit kein Springseil mehr in der Hand hatte, darf sich nicht so schnell frustrieren lassen. Aller Anfang ist schwer - auch beim vermeintlichen Kinderspiel Seilspringen. Da kann es schon ein wenig dauern, bis mehrere Sprünge hintereinander flüssig gelingen.

Graser rät, erst einmal so zu springen, wie man es von den Kindern kennt: zwei Sprünge bei einem Seildurchschlag. "Aufrechte Haltung, die Knie immer leicht gebeugt, eine kleine Vorspannung in den Beinen, auf den Ballen springen." Wer diese Grundsprungtechnik beherrscht, kann anfangen zu variieren: ein Sprung pro Seildurchschlag, einmal auf einem Bein, vor und zurück, mit kleinen Drehungen.

Um einiges professioneller geht es in den Vereinen zu, die laut Toscani in den vergangenen Jahren guten Zuwachs verzeichnen. Turnerisches Geschick und Kreativität sind dabei genauso gefragt wie ein gutes Rhythmusgefühl. In der Disziplin "Speed" geht es vor allem um Tempo. Die Profis benutzen Drahtseile mit Kugellagergriffen. Beim Teamwettkampf "Double Dutch" schlagen zwei Helfer das Seil und ein oder zwei Springer zeigen ihr Können mit Salto, Radschlag und Co. Viele Gruppen tragen Namen wie Crazy Jumpers, Flying Ropes oder Jump for Fun und verraten damit die amerikanische Herkunft des Rope Skipping.

Hanno Kramer trainiert Rope Skipper. Nach dem Aufwärmen werden im Stationstraining Ausdauer, Geschwindigkeit und Koordination eingeübt, bevor es ans Seilspringen an sich geht. Die kleinsten Rope Skipper sind 5, die ältesten 16 Jahre alt. Einige werden später selbst Trainer oder Trainerin.

Wer früh angefangen hat, kann laut Hanno Kramer auch in späteren Jahren noch richtig Leistung abrufen. Aber mit der nötigen Disziplin könne man etwa auch mit Mitte 40 noch anfangen. "Wenn man sagt, ich gehe einmal die Woche und probiere ein bisschen herum, dann wird man mit den koordinativen Dingen nicht weit kommen." Älteren mache das erfahrungsgemäß viel mehr Mühe als Achtjährigen: "Die machen das, ohne groß nachzudenken."

Die Mädchen sind nicht nur bei den Burning Ropes in der Mehrzahl. Dass viele Jungen Seilspringen für einen typischen Mädchensport halten, bestätigt Achim Toscani: "Es ist schwierig, die Jungs zu überzeugen." Dabei seien sie in Sachen Sprungkraft häufig im Vorteil: "Beim Freestyle können sie die bessere Akrobatik zeigen." Bei dieser Disziplin dürfen die Springer eine Kür zeigen - sogar bei Europa- und Weltmeisterschaften.

Aber auch außerhalb von Wettkämpfen eignet sich Rope Skipping, um fit zu bleiben. Elisabeth Graser baut das Seil einfach in ihr persönliches Fitnessprogramm ein: "Das Schöne ist, ich kann es als komplett eigenständige Trainingseinheit machen oder ich baue es ein in andere Trainingseinheiten." Sie springt zum Warmwerden oder macht beim Joggen alle zehn Minuten eine kleine Einheit von Sprüngen.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 18.07.2018 um 08:02 auf https://www.sn.at/panorama/gesundheit/huepfen-fuer-die-fitnessseilspringen-liegt-wieder-im-trend-22019854

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