Gesundheit

Weltkrebstag: Immer mehr Menschen überleben Krebs

Krebs gehört zu den furchtbarsten Diagnosen überhaupt. Dabei unterscheiden sich die Überlebenschancen je nach Krebsart stark. Lungenkrebs etwa kommt sehr häufig vor. Mit dem Rauchen aufzuhören, ist die beste Vorbeugung.

Lungenkrebs ist nach wie vor „der Killer“ unter den Krebserkrankungen: Lungenkrebs ist nach wie vor „der Killer“ unter den Krebserkrankungen. In mehr als 80 Prozent aller Fälle ist Rauchen die Ursache. SN/Robert Ratzer
Lungenkrebs ist nach wie vor „der Killer“ unter den Krebserkrankungen: Lungenkrebs ist nach wie vor „der Killer“ unter den Krebserkrankungen. In mehr als 80 Prozent aller Fälle ist Rauchen die Ursache.

Die Chancen, eine Krebserkrankung zu überleben, sind seit dem Jahr 2000 weltweit gestiegen. Allerdings bestehen weiterhin große Unterschiede nach Ländern und nach Krebsarten. Das geht aus der internationalen Studie Concorde 3 hervor, die kürzlich in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde. Eine Gruppe um Claudia Allemani von der London School of Hygiene & Tropical Medicine (Großbritannien) hat dazu Daten von 322 Krebsregistern aus 71 Ländern und Regionen zusammengetragen und ausgewertet.

Die Forscher machten die Daten vergleichbar und ordneten sie in Zeiträume von je fünf Jahren ein: 2000 - 2004, 2005 - 2009, 2010 - 2014. Für jeden dieser Zeiträume ermittelten sie die durchschnittliche Rate derjenigen Patienten, die fünf Jahre nach der Krebsdiagnose noch lebten. "Die kontinuierliche Beobachtung der globalen Trends beim Überleben von Krebserkrankungen ist von entscheidender Bedeutung, um die allgemeine Wirksamkeit von Gesundheitssystemen weltweit zu bewerten und politischen Entscheidungsträgern dabei zu helfen, bessere Strategien zur Krebsbekämpfung zu planen", wird Allemani in einer Mitteilung von "The Lancet" zitiert.

Die Studie umfasst 18 Krebsarten oder Krebsgruppen, die etwa drei Viertel aller Krebserkrankungen ausmachen: Speiseröhre, Magen, Dickdarm, Mastdarm, Leber, Bauchspeicheldrüse, Lunge, Brust (bei Frauen), Gebärmutterhals, Eierstock, Prostata und Melanom der Haut bei Erwachsenen sowie Hirntumoren, Leukämien und Lymphome bei Erwachsenen und Kindern.

Im europäischen Vergleich ist Österreich unter den Top 5 Ländern mit den besten Überlebensraten bei Krebs. Österreich ist - neben Frankreich, der Schweiz und den USA - führend in der Anwendung neuester Krebsmedikamente. Das relative 5-Jahres-Überleben ist in Österreich signifikant gestiegen: 1989 überlebten 46 von 100 Krebspatientinnen länger als fünf Jahre, 2009 waren es bereits 61 von 100. Patienten haben frühen Zugang zu Studien mit modernsten Wirkstoffen: In Österreich sind z.B. 30 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen in klinische Studien eingebunden. Patienten, die an Studien teilnehmen, leben erwiesenermaßen länger und besser als andere.

Bei der Heilung all dieser Erkrankungen haben sich die Überlebenschancen etwa auch in Deutschland von 2000 bis 2014 verbessert, mit einer Ausnahme: Bei der akuten lymphatischen Leukämie, einer Blutkrebserkrankung bei Kindern, sank die Rate der Überlebenden von 94 auf 91,1 Prozent, blieb aber damit auf hohem Niveau.

Bei Überlebensraten sind die USA und Kanada führend

Im weltweiten Vergleich steht Deutschland überwiegend im oberen Drittel der 71 untersuchten Staaten. Weltweit die größten Chancen, eine Krebserkrankung zu überstehen, gibt es in den USA und in Kanada, in Australien und Neuseeland sowie in den nordeuropäischen Ländern Finnland, Island, Norwegen und Schweden. Dänemark hat, so betonen die Studienautoren, in den untersuchten Jahren große Steigerungsraten erzielt und zu den anderen skandinavischen Ländern aufgeschlossen. Erreicht haben dies unsere nördlichen Nachbarn durch bessere Investitionen, beschleunigte Patientenwege und die Überwachung der Einhaltung von Wartezeiten durch Krankenhäuser.

Im Bereich der Krebstherapie ist eine rasante, positive Entwicklung zu verzeichnen, die den Patienten bessere Heilungschancen bei guter Lebensqualität während der Therapie ermöglichen, Das sagen Mediziner der MedUni Wien und im AKH Wien. Die Gründe: einerseits die Einführung neuer Substanzen, andererseits die zunehmende Personalisierung der Therapien. Aufklärung und Information zu diesen Themen bietet die Initiative Krebsforschung am Wiener Krebstag am 12. Februar 2018 am Universitätscampus - Altes AKH in Wien.

Zielgerichtete Therapien und Immuntherapie

Mit Einführung der zielgerichteten Therapien wurde eine zunehmende Individualisierung der Therapie im Sinne von "maßgeschneiderten Therapien" möglich. Durch die ständige Identifikation neuer Targetmoleküle, können zunehmend mehr Patienten einer sogenannten "personalisierten Therapie" (Präzisionsmedizin) zugeführt werden. Voraussetzung dafür ist der Nachweis von definierten Mutationen im Tumorgewebe der jeweiligen Patientin bzw. des Patienten.
Im Bereich der Immuntherapie ist eine überwältigende Entwicklung zu beobachten. "Es bietet sich uns zunehmend die Möglichkeit, mit einer breiten Palette an Medikamenten zu therapieren, die individuell auf das Krankheitsbild der jeweiligen PatientIn zugeschnitten werden kann", berichtet Christoph Zielinski, Leiter des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien und wissenschaftlicher Leiter des Vienna Cancer Center. Letztendlich geht die Entwicklung auch in die Richtung der Kombination von Immuntherapeutika mit einer Chemotherapie.

Schwerpunkt Magen-Darm-Trakt: Neue Behandlungsmöglichkeiten

Das metastasierte Kolorektalkarzinom wird gemäß der Tumorbiologie in vier Subtypen unterteilt, wobei die RAS-mutierten und die RAS-Wildtyp(Wt)-Tumore am häufigsten vorkommen. Bei Patienten mit RAS-Wt spielt zudem die Tumorlokalisation (links- vs. rechtsseitig) eine Rolle, da die Lokalisation mit einer unterschiedlichen Tumorbiologie einhergeht. Dementsprechend richtet sich die Therapieentscheidung. BRAF-mutierte Tumoren stellen mit einer Häufigkeit von fünf Prozent eine kleine Subgruppe dar und erfordern aufgrund ihrer schlechteren Prognose eine aggressivere therapeutische Vorgangsweise. Darüber gibt es die Gruppe der sogenannten hoch MSI (Mikrosatelliten-instabilen) Tumore, die ebenfalls etwa fünf Prozent aller mCRC umfasst. Diese sprechen sehr gut auf Immuntherapeutika an - auch auf eine Monotherapie. Ebenso wurden bei bereits vortherapierten PatientInnen Krankheitskontrollraten im Ausmaß von bis zu 90 Prozent erzielt.
"Die Koloskopie bietet bei regelmäßiger Durchführung die Chance, in mehr als 90 Prozent der Fälle einen Tumor im Frühstadium zu entdecken und so rechtzeitig im Zuge der Koloskopie zu entfernen", sagt Gerald Prager von der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien und des AKH Wien und CCC. "Die Verfügbarkeit der Koloskopie ist in Österreich zu 100 Prozent gegeben."

Beste Prävention ist und bleibt das Nichtrauchen

Lungenkrebs ist nach wie vor "der Killer" unter den Krebserkrankungen: Er führt zu den meisten Todesfällen, mehr als bei Brust- und Darmkrebs zusammengenommen. Das Problem dabei: Da Lungenkrebs lange Zeit keine Symptome verursacht, erfolgt die Diagnose meist erst dann, wenn die Erkrankung bereits weit fortgeschritten und die Prognose schon sehr schlecht ist. Rund die Hälfte aller Lungenkrebspatienten wird erst im letzten Krankheitsstadium diagnostiziert. In mehr als 80 Prozent aller Fälle ist Rauchen die Ursache. Nichtrauchen ist und bleibt daher die wirksamste Maßnahme im Kampf gegen Lungenkrebs.
Doch neue Therapieformen - die Immuntherapie und zielgerichtete Therapien - stellen einen Durchbruch in der Behandlung von Lungenkrebs dar. Bereits die Hälfte der Lungenkrebspatienten erspart sich eine belastende Chemotherapie dank des Einsatzes der neuen Therapien. Große Hoffnungen setzen die Experten jetzt auf eine Kombination der einzelnen Therapien zu einem hochspezifischen, auf den Einzelpatienten abgestimmten Therapiemix, betont der Lungenkrebsspezialist und Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, Bernd Lamprecht.

Lungenkrebstherapie: der individuelle Mix

Die Behandlung von Lungenkrebs stand bis vor kurzer Zeit ausschließlich auf drei Säulen: Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Doch sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie des Lungenkrebses hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan: Die Entwicklung der Immuntherapie und der zielgerichteten Therapien hat die Behandlung revolutioniert. Denn, so Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde des Kepler Universitätsklinikums Linz, vereinfacht gesagt: "Während die Chemotherapie auch gesunde Zellen angreift, was zu den gefürchteten und den Organismus zusätzlich belastenden Nebenwirkungen führt, greifen die neuen Therapien zielgerichtet den Tumor an."
Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs - es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Subtypen. Die neuen Behandlungsoptionen wirken nicht bei allen Krebsarten, doch konnten durch ihren Einsatz bei bestimmten Lungenkrebsformen Behandlungserfolge erzielt werden, die noch vor einigen Jahren unvorstellbar waren. "Ein ganz wesentlicher Faktor in diesem Zusammenhang ist die Kenntnis einer Vielzahl von Biomarkern - charakteristische Merkmale am Tumor. Mit ihrer Hilfe können sowohl Aussagen über den Krankheitsverlauf als auch über die Wahrscheinlichkeit des Ansprechens auf ein bestimmtes Medikament getroffen werden. Man kann zunehmend präziser vorhersagen, welches Medikament bei welchem Patienten am erfolgreichsten zum Einsatz kommen kann", so Lamprecht.
Ein bereits in der Vergangenheit beschrittener Weg, der aber durch die neuen Therapien noch deutlich erweitert und vor allem spezifisch auf die jeweilige Tumorart angewendet werden kann, besteht in der Kombination der verschiedenen medikamentösen Therapieformen, dies gegebenenfalls auch im möglichen Zusammenspiel mit Operation und/oder Strahlentherapie. "Zunehmend machen es die verbesserten diagnostischen Möglichkeiten und das sich laufend erweiternde Verständnis der molekularen Grundlagen der Krankheit in Kombination mit der steigenden Anzahl an hochspezifischen Therapieformen möglich, Patienten durch eine spezifisch auf sie abgestimmte Therapie heute viel effektiver zu behandeln. Wir lernen in dieser Hinsicht jeden Tag dazu", so Lamprecht.

Rauchstopp: Nie zu spät, doch je früher, desto besser!

In Österreich wird pro Jahr bei rund 4.200 Menschen Lungenkrebs diagnostiziert, etwa 3.600 sterben jährlich daran. Als Hauptverursacher gilt das Rauchen. Durch die Tatsache, dass immer mehr Frauen rauchen, nimmt der Anteil von weiblichen Lungenkrebspatentinnen zu, bei den Männern ist hingegen ein leichter Rückgang zu verzeichnen. "Vier von fünf Lungenkrebspatienten sind oder waren Raucher. Daher ist die effektivste Präventionsmaßnahme, mit dem Rauchen nie anzufangen bzw. so schnell wie möglich wieder damit aufzuhören", so Lamprecht. "Was den Rauchstopp betrifft, gilt: "Je früher, desto besser!" und "Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören!", denn in jedem Fall verringert sich dadurch das Krebsrisiko! Dies ist mit ein Grund, warum wir Lungenfachärzte das von der neuen Regierung beschlossene Kippen des generellen Rauchverbots in der Gastronomie für schlichtweg verantwortungslos halten", so Lamprecht.

(Dpa/sn)

Aufgerufen am 18.02.2018 um 07:27 auf https://www.sn.at/panorama/gesundheit/weltkrebstag-immer-mehr-menschen-ueberleben-krebs-23602843

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