Im Internet müssen wir noch viel dazulernen

Manchmal ist mit dem Internet rasch ein Schuldiger für Missstände gefunden. Doch es hält uns nur einen Spiegel vor.

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Panorama Thomas Hofbauer

Falschmeldungen gehören zum Internet. Vor allem in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter verbreiten sie sich wie Grippeviren in der kalten Jahreszeit. Meistens sind sie harmlos.

Nach der Wahl in den USA sind die Falschmeldungen wieder ins Bewusstsein vieler gerückt. Manche glauben sogar, sie hätten den Wahlausgang beeinflusst. Nun will man sich wieder verstärkt des Problems annehmen.

Die erste Möglichkeit, um Falschmeldungen im Internet zu unterbinden, ist, bei den Betreibern großer Internetseiten anzusetzen. Facebook, Twitter und Google könnten vom Gesetzgeber als Medien definiert werden. Dann wären sie für alles, was sie verbreiten, verantwortlich. Damit wären sie aber auch gezwungen, Zensur bei den Beiträgen ihrer Nutzer auszuüben. Angesichts der Milliarden Postings täglich wäre es schon technisch ein schwieriges Unterfangen. Soziale Netzwerke müssten intelligente Algorithmen zur Filterung entwickeln und Tausende Zensoren einstellen. Doch wer bestimmt letztendlich, was richtig und was falsch ist? Das würde diesen kommerziellen Netzwerken noch mehr Macht geben. Denn in den USA ist für mehr als die Hälfte der Bevölkerung Facebook die Hauptnachrichtenquelle. In Europa wird es mittlerweile ähnlich sein.

Ein weiterer Weg ist, Nutzer in die Pflicht zu nehmen. Medienkompetenz ist das Stichwort. Derzeit gehen zu viele Menschen Falschmeldungen, Scherzen oder harmloser Satire auf den Leim. Mit mehr Me dienkompetenz könnten Nutzer selbst Falschmeldungen erkennen und ignorieren, statt sie blind zu glauben und weiterzuverbreiten. Schule und Medien sind hier in die Pflicht zu nehmen. Sie müssen Aufklärung betreiben und aus passiven Konsumenten mündige Mediennutzer machen.

In letzter Konsequenz braucht es beide Seiten, die Betreiber und die Nutzer, um aus dem jetzt oft unsicheren Internet einen Ort zu machen, wo qualifizierte Meinungsbildung stattfinden kann. Von Facebook und Google muss man in Zukunft erwarten, dass sie rascher auf Missstände reagieren. Das Löschen des Gewaltvideos, das in den letzten Wochen bei Österreichs Jugendlichen die Runde gemacht hat, dauerte viel zu lang.

Und Nutzer dürfen sich nicht durch die technisch perfekte Anmutung mancher Internetseiten über die oft haarsträubend falschen Inhalte hinwegtäuschen lassen. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs und müssen alle dazulernen. Sehen wir es als Chance.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 11:18 auf https://www.sn.at/panorama/im-internet-muessen-wir-noch-viel-dazulernen-879529

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