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106-Jähriger droht Abschiebung aus Schweden

Der 106-jährigen Afghanin Bibihal Uzbeki droht die Abschiebung aus Schweden. Wie die britische Zeitung "Guardian" berichtet, erhielt die im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 ins skandinavische Land gekommene Frau vor wenigen Tagen einen negativen Asylbescheid. Seither habe sich ihr Gesundheitszustand rapide verschlechtert, sie befinde sich in einem Krankenhaus.

Uzbeki sorgte vor zwei Jahren als vermeintlich ältester Flüchtling der Welt für Aufsehen. Im Oktober 2015 waren Reporter in einem kroatischen Flüchtlingslager auf sie aufmerksam geworden. Sie berichtete vom Wunsch, ihre Enkel in Schweden zu sehen. 20 Tage lang soll ihre Reise aus Kunduz über den Iran, die Türkei und den Balkan nach Europa gedauert haben. Die blinde Frau, die kaum noch gehen und sprechen kann, sei auf der Flucht die meiste Zeit von ihrem Sohn und ihrem Enkel getragen worden.

Die schwedischen Asylbehörden entschieden nun, dass sie trotz ihres hohen Alters nach Afghanistan zurückkehren müsse. Die Lage in dem Land sei nicht gefährlich genug, und es gebe dort auch Krankenhäuser, in der Uzbeki kostenlos behandelt werden könne. Die Frau soll einen Schlaganfall erlitten haben, als sie vom ablehnenden Bescheid erfahren habe.

Zugleich verwies man in Schweden auf einen ähnlichen Fall in Finnland aus dem Jahr 2010. Damals war die 82-jährige, pflegebedürftige Russin Irina Antonova mit anschließender rechtlicher Rückendeckung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ausgewiesen worden. Das Argument lautete damals, in Russland gebe es ausreichenden Zugang zur Altenpflege. Die Russin wurde schließlich "freiwillig" von ihrer in Finnland lebenden Familie nach Russland gebracht.

Auf Anfrage der APA hieß es außerdem, der Ausweisungsbeschluss sei beeinsprucht worden, die endgültige Entscheidung liege nun bei der Justiz. Hohes Alter an sich sei grundsätzlich aber kein Schutzgrund.

Uzbekis Sohn befürchtet einem Bericht des Senders n-tv zufolge, dass die Frau die Reise nicht überleben werde. Sie sei schon jetzt "nicht mehr ansprechbar". Immerhin versicherten die schwedischen Behörden, dass die 106-Jährige nicht abgeschoben werde, so lange das Verfahren noch laufe. Die Angehörigen hatten Beschwerde gegen den Bescheid eingelegt.

Der Fall veranschaulicht auch die Folgen der Gesetzesänderungen nach der Flüchtlingskrise des Jahres 2015. Ein Behördenvertreter sagte der Deutschen Welle, dass wegen der Verschärfung des Asylrechts weniger Spielraum für die Gewährung eines Aufenthaltsrechts wegen Krankheit bestehe. Die neuen Regelungen würden die Beamten hindern, sich menschlich zu verhalten, sagte Sanna Vestin vom Verband schwedischer Flüchtlingshilfsorganisationen. "Man könnte sagen, die Politiker haben der Migrationsbehörde verboten, in Fällen wie diesem Mitleid zu zeigen."

Quelle: APA

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