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17 Menschen bei Erdbeben in Zagreb verletzt

Bei dem Erdbeben, das Sonntagfrüh die kroatische Hauptstadt Zagreb erschüttert hat, wurden nach ersten Berichten 17 Menschen verletzt. Ein 15-jähriges Mädchen befindet sich mit schweren Kopfverletzungen in kritischem Zustand. Schwerere Schäden gab es vor allem an älteren Gebäuden in der Innenstadt, wie kroatische Medien berichteten.

Die Behörden appellierten an die Bevölkerung, nach dem Erdbeben nicht auf die Versammlungsbeschränkungen wegen der Corona-Epidemie zu vergessen, die nach wie vor die größere Gefahr darstelle. "Achtet auf den Abstand", mahnte Regierungschef Andrej Plenkovic bei einer Pressekonferenz. "In dieser neuen Situation sind persönliche Disziplin und soziale Verantwortung am wichtigsten", sagte er.

Rund 150 Bauexperten waren am Sonntag damit beschäftigt, Gebäude auf Schäden zu prüfen. Für jene Menschen, die nicht in ihre beschädigten Wohnungen zurückkehren können, wurde ein Studentencampus mit einer Kapazität von 1.600 Betten zur Verfügung gestellt, hieß es. Wie viele Menschen die Notunterkunft brauchen werden, war am späten Nachmittag nicht bekannt.

Insgesamt 2.500 Helfer waren nach dem Erdbeben im Einsatz, sagte der Vorsitzende des Zivilschutzstabs, Innenminister Davor Bozinovic. Den betroffenen Bürgern kamen mehr als 1.700 Mitglieder des Zivilschutzes zur Hilfe. Das Rote Kreuz teilte warme Mahlzeiten und Decken an die Menschen aus, die den Tag im Freien verbringen mussten.

Bei der Beseitigung der Trümmer haben auch 230 Soldaten geholfen. Die Armee half außerdem dabei, die Neugeborenen-Intensivstation der Entbindungsklinik zu evakuieren. Babys in Brutkästen wurden auch mit Militärfahrzeugen in ein anderes Spital gebracht. Bei der Evakuierung halfen auch die berüchtigten Dinamo-Fußballfans "Bad Blue Boys", die laut Medien unter den ersten gewesen sind, die zur Hilfe kamen. Die Spitäler wurden laut Gesundheitsminister Vili Beros von Bauexperten geprüft und haben keine größere Schäden davongetragen.

Allerdings ist die Gefahr in Zagreb laut Behörden noch nicht gebannt. Wetterprognosen sagen starken Wind vorher, weshalb die Gefahr besteht, dass von den beschädigten Gebäuden weiter Trümmer herunterfallen könnten.

Das slowenische Atomkraftwerk Krsko, das sich etwa 50 Kilometer nordöstlich von Zagreb befindet, war laut offiziellen Angaben von dem Erdbeben nicht betroffen und setzte seinen Betrieb normal fort. Bei präventiven Checks, die an Systemen und Ausrüstung durchgeführt wurden, wurden keine Abweichungen oder anderen Einflüsse festgestellt. "Alles funktioniert normal", teilte die slowenische Atomschutzbehörde mit.

Kroatien hat nach dem Erdbeben den EU-Mechanismus für den Katastrophenschutz aktiviert, twitterte der EU-Kommissar für Krisenmanagement, Janez Lenarcic. Das jüngste EU-Land braucht demnach vor allem Zelte, Feldbetten, Schlafsäcke und elektrische Heizkörper.

Das European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) gab die Stärke des ersten Bebens um 6.24 Uhr mit 5,3, die des zweiten Bebens um 7.01 Uhr mit 5,0 an. Die Zentren der beiden Beben lagen sieben beziehungsweise zehn Kilometer nördlich von Zagreb. Seither gab es mehrere Nachbeben mit einer Stärke von 3 bis 3,7.

Quelle: APA

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