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18 Festnahmen nach tödlichem Feuer in Wohnhaus in Peking

Nach einem verheerenden Brand mit 19 Toten in einem Pekinger Wohnblock hat die Polizei 18 mutmaßliche Verantwortliche festgenommen. Die Feuerwehr vermutete, dass das Feuer am Samstag im Keller des Gebäudes ausgebrochen war, wo ein 5.000 Quadratmeter großes Kühlhaus gebaut wurde.

Von dem Haus blieb nicht mehr viel über SN/APA (AFP)/RYAN MCMORROW
Von dem Haus blieb nicht mehr viel über

Unter den 19 Toten in dem Haus im Pekinger Außenbezirk Daxing waren acht Kinder und Jugendliche, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag berichtete. Das jüngste Opfer sei erst ein Jahr alt gewesen.

Die Polizei habe sieben Verantwortliche für den Apartmentblock, sieben Elektriker und vier Bauarbeiter festgenommen. Keiner der elf Arbeiter habe eine behördlich geforderte "Qualifizierung" besessen, gab die Polizei an, ohne Details zu nennen. Vielfach arbeiten auf den Baustellen der chinesischen Hauptstadt einfache und schlecht bezahlte Wanderarbeiter, die keinerlei besondere Ausbildung genossen haben.

Das Feuer hatte vor allem dichten Rauch und weniger offene Flammen ausgelöst. "Ich machte gerade einen Nachmittagsschlaf in meinem Zimmer", erzählte der 27 Jahre alte Textilarbeiter Ye Changlong laut Xinhua. "Mein Hund bellte und weckte mich auf. Dann roch ich den beißenden Rauch und begriff, dass es ein Feuer sein musste." Er sei sofort geflüchtet. "Ich hatte keine Zeit, meine Hosen zu finden."

"Ich bin aus dem Bett gesprungen, habe den Hund geschnappt, einen Mantel gegriffen, bin in meine Schlapfen, bevor ich die Treppe heruntergelaufen bin", erzählte der 27-Jährige. "Auf der Stiege war dichter Rauch, so dass ich nicht atmen konnte." Schließlich sei er im Hof ausgekommen, wo viele Menschen gestanden hätten. "Ich war der letzte, der herausgekommen ist", wiederholte Ye Changlong laut Xinhua mehrmals, während er seinen Hund in den Armen hielt.

Von den acht Verletzten sei noch einer in kritischem Zustand, berichtete die Nachrichtenagentur weiter. Mehr als 400 Menschen hätten in dem Wohnblock gewohnt und seien umgesiedelt worden. Das Gebäude bot auf einem großen roten Schild preisgünstigen Wohnraum, der besonders bei Wanderarbeitern sehr beliebt ist, da die Mieten in Peking extrem hoch sind und von den geringen Löhnen nicht bezahlt werden können. Viele müssen sich auch Zimmer teilen, was die hohe Zahl der Opfer in dem nur dreigeschossigen Haus erklären könnte.

Arbeiter Ye Changlong berichtete der Staatsagentur, er stamme aus der ostchinesischen Provinz Zhejiang und arbeite mit seiner Frau in einer Textilfabrik in Daxing. Das Paar habe die kleine Unterkunft für monatlich 600 Yuan, umgerechnet 77 Euro, gemietet. Allein 50 andere Leute hätten mit ihnen im oberen Stockwerk gewohnt.

Als Reaktion auf das Feuer hat die Regierung der Hauptstadt eine 40-tägige Kampagne gestartet, um Sicherheitsinspektionen vorzunehmen. "Die Lehren aus dem Feuer sind äußerst ernst", sagte der neue Pekinger Parteichef Cai Qi, ein enger Gefolgsmann von Staats- und Parteichef Xi Jinping. "Die Stadt muss höchst wachsam sein." Um Feuerrisiken zu vermeiden, müssten die Inspektoren besonders Industriegelände untersuchen und gegen illegale Bautätigkeiten vorgehen. Jedes Dorf, jeder Innenhof müsse überprüft werden.

Quelle: Apa/Dpa

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