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Abdelaziz Bouteflika - der Präsident als Gespenst Algeriens

Algeriens amtierender Präsident Abdelaziz Bouteflika ist seit 1999 im Amt. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen in der arabischen Welt hat er die Proteste des sogenannten Arabischen Frühlings überstanden und sich im Amt gehalten.

Abdelaziz Bouteflika SN/APA/AFP/RYAD KRAMDI
Abdelaziz Bouteflika

Seine Ankündigung, bei der anstehenden Präsidentschaftswahl im April 2019 für eine fünfte Amtszeit kandidieren zu wollen, führte jedoch zu den größten Protesten des Landes seit mehr als zehn Jahren.

Der 82-jährige Bouteflika ist gesundheitlich schwer angeschlagen und tritt kaum noch öffentlich auf. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2013 sitzt er im Rollstuhl und hat große Probleme zu sprechen. Sein Bruder Said vertritt ihn häufig bei öffentlichen Terminen. Viele Algerier sehen in Bouteflika eine Marionette von Militärs, Clans und Wirtschaftselite.

Bouteflika wurde 1999 als Wunschkandidat des algerischen Militärs zum Staatschef gewählt. Am Abend vor der Wahl hatten seine sechs politischen Gegner ihre Kandidaturen aus Protest zurückgezogen.

Bouteflika hatte nach der Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich 1962 politisch Karriere gemacht. Er wurde Außenminister und übernahm auch im Politbüro der algerischen Befreiungsbewegung FLN wichtige Posten. In den 1980er Jahren zog er sich zeitweise aus der Politik zurück: Es gab Korruptionsvorwürfe und erste medizinische Aufenthalte im Ausland.

Nach dem algerischen Bürgerkrieg, der in den 1990er Jahren mehr als 150.000 Menschenleben forderte, sah das Militär in Bouteflika einen geeigneten Kandidaten, um das gespaltene Volk wieder zu einen, was ihm auch gelang. Bei wirtschaftlichen Reformen scheiterte er allerdings.

Quelle: Apa/Dpa

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