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Akwaaba!

Wie Erinnerungen zu Bildern werden. Der Künstler Anton Thiel bereist Ghana abseits der touristischen Pfade, schaut, staunt und taucht tief in die fremde Kultur ein. Zurück in Salzburg, arbeitet er an einer Serie von Pastellbildern, die den Rhythmus des Landes spiegeln.

Nach wenigen Tagen in Accra, der Hauptstadt Ghanas, die geprägt ist vom krassen Unterschied zwischen westlichem Wohlstand und afrikanischer Armut und die den Ankommenden in eine heftige Verwirrung stürzt, geht es in die Eastern Region. An der Abzweigung nach Asesewa, unter einem leuchtend roten Drachenbaum, verschwindet der großstädtische Einheitsbrei, schlagartig stellt sich Afrika ein: Eine rote Staubstraße führt durch sanfte Hügel. Das gleißende Licht der Sonne, die sich durch die vom Harmattan, dem Wind aus der Sahara, getrübte Atmosphäre kämpft. Das satte Grün der alles überragenden Baumkronen, das Gelb der verdorrten Gräser, das Schwirren der Insekten - ein Gefühl, das einen gefangen nimmt bei 40 Grad Celsius im Schatten. Und von überall her tönt es freundlich neugierig: "Obroni, good morning! Akwaaba!" Weißer Mann, willkommen in Ghana.

Die gegenseitige Neugierde ist groß, die Lebensfreude der Ghanaer überwältigend, die Gastfreundschaft beinahe beschämend. Familienfeiern, Tauffeste, die Inauguration eines Königs - der Salzburger "Obroni" ist mittendrin, lebt bei Familien, in Lehmhütten ohne Wasser und Strom, isst mit Fremden und Freunden Fufu - gestampfte Yamswurzeln - aus einer Schüssel. Er wandert in den Dschungel, spricht mit Bauern, die mühsam dem Urwald Land abringen, lernt Fischer kennen, die ihren kargen Fang am Ufer des Volta-Stausees räuchern, beobachtet Frauen, die Wasser aus dem schlammigen Fluss holen. Er sieht, staunt, und stellt sich jeden Tag aufs Neue Fragen zu der Kultur dieses fremden Landes.

Manchen Fragen weichen die sonst so gesprächigen Ghanaer aus, über Sakrifizierung, Genitalverstümmelung an Frauen, Hexenverfolgung, Kinderarbeit, auch zu den Europäern schwer nachvollziehbaren Praktiken der Naturreligionen und Fetischkulte will sich kaum jemand äußern. Das Begreifen läuft daher über das Beobachten, Miterleben und Verinnerlichen.

Die Pastelle sind erst in Salzburg entstanden. Keine Arbeit ist ein unmittelbares Abbild einer Szene, einer Landschaft, eines Orts. Die Bilder verdichten mit den intensiven Farben und den markanten schwarzen Linien den Eindruck, der von dem Land und seinen Menschen verblieben ist. Rhythmen mit unverwechselbarer Intensität werden farblich zu organischen und ornamentalen Verschlingungen verdichtet, Realität vermischt sich mit fiktiven Gebilden. Die Bilderserie in ihrer Kontinuität spiegelt nicht einfach das Erlebte, sondern schafft es immer wieder neu.

Die AusstellungGHANA findet von 17. Mai
bis 20. Juni im Rathaus Salzburg statt.
Geöffnet Mo.-Do. 8-17 Uhr, Fr. 8-13.30 Uhr.
Ein Teil des Verkaufserlöses kommt Schul-
projekten in Ghana zugute.
www.antonthiel.at

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